Scharf auf Süßes, die ISM 2026 in Köln

Anfang Februar öffnete die Internationale Süßwaren- und Snackmesse ihre Tore und präsentierte Süßigkeiten aus aller Welt, die im Glücksfall demnächst im deutschen Lebensmitteleinzelhandel zu finden sind. Lebensmittelmagazin.de hat sich so durchgeschnuckert.

Die ISM, die internationale Süßwarenmesse, ist die weltweit größte Fachmesse für Süßwaren und Snacks. Die Messe, die vom 1. bis zum 4. Februar in Köln stattfand, richtet sich ausschließlich an Fachbesucher aus Handel, Großhandel und Produktion. Rund 1.600 Aussteller aus etwa 70 Ländern präsentierten auf 100.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Produkte und Neuheiten. Parallel fand die ProSweets Cologne statt, die internationale Zuliefermesse für die Süßwaren- und Snackindustrie.
Ein besonderer Fokus lag auf funktionellen Süßwaren, die in dem neu geschaffenen Bereich „Functional Sweets“ vorgestellt wurden.

Wenn’s schön macht

Süßigkeiten sollen Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht nur Genuss verschaffen, sondern mittlerweile auch einen Mehrwert. Nach Jahren der Zuckerreduktion stößt die Branche zunehmend an Grenzen: Geschmackliche Kompromisse und technologische Limitationen machen neue Ansätze nötig. Funktionelle Süßwaren bieten stattdessen klaren Mehrwert mit Vitaminen, Proteinen oder Pflanzenextrakten und verbinden Genuss mit Gesundheit. Sie markieren einen Wandel vom „weniger Zucker“ hin zu Produkten mit positivem Zusatznutzen, die Verbraucher emotional und alltagsnah ansprechen.

Zuckerfreie Werbung vor dem Eingang
Foto: Johannes S.


Der altehrwürdige Zwieback-Hersteller Brandt präsentierte jetzt die mit Protein angereicherte Alternative zum Schoko-Zwieback, um hier eine Quelle jenseits des auf die Dauer langweiligen Proteinriegels anzubieten.

Protein-Schoko Zwieback von Brandt
Foto: Johannes S.

Hersteller stehen dabei vor der Herausforderung, diese oft geschmacksintensiven oder hitzeempfindlichen Wirkstoffe so zu verarbeiten, dass das Genusserlebnis nicht leidet. Hier setzen Dienstleister wie D&F Sweets an, die auf der ISM zeigten, wie durch innovative Rezepturentwicklung und optimierte Produktionsprozesse funktionale Inhaltsstoffe geschützt und geschmacklich perfekt eingebunden werden können.
Ein prominentes Beispiel sind funktionale Fruchtgummis, die weit über das herkömmliche Naschen hinausgehen: Hier fanden sich Melatonin-Gummis zur Schlafunterstützung ebenso wie Kreatin- und Elektrolyt-Varianten, die speziell auf die Bedürfnisse von Sportlern zugeschnitten sind.
Alternativ kann jetzt auch „Schönheit kommt von innen“ wörtlich genommen werden, mit Kaugummis mit Kollagen oder Bonbons mit Hyaluronsäure, die während des Verzehrs Wirkstoffe für Haut und Bindegewebe freisetzen.
Auch die Darmgesundheit spielt eine Rolle, etwa durch Schokoladenprodukte, die mit Probiotika versetzt sind, wie beim Unternehmen Tante Frieda, das auf der ISM eine Linie probiotischer Schokoladenkreationen unter anderem mit Pistazien sowie mit gefriergetrockneten Erdbeeren präsentierte.

Schokolade statt Joghurt

Die Produkte sind mit probiotischen Kulturen angereichert, die für den Einsatz in Schokolade geeignet sind und Verarbeitung sowie Lagerung überstehen. Probiotische Zutaten sind bislang vor allem aus dem Molkereibereich bekannt; ihr Einsatz in Schokolade verdeutlicht die Ausweitung funktioneller Konzepte auf neue Produktkategorien. Damit griff Tante Frieda einen der zentralen Trends der Messe auf, ohne klassische Schokoladenrezepturen grundlegend zu verändern.

Tante Frieda mit Himbeeren in weißer Schokolade und Pistazien
Foto: Johannes S.


Zudem gewinnen zuckerreduzierte Konzepte an Bedeutung, bei denen Ballaststoffe wie Inulin eine doppelte Funktion erfüllen: Sie dienen als Texturgeber und fördern gleichzeitig als Präbiotika die Verdauung.

Ein anderes Beispiel für die wachsende Bedeutung zuckerreduzierter Süßwaren ist das schwedische Unternehmen Pändy. Die Marke positioniert sich mit Produkten, die lediglich „1 Gramm Zucker pro Beutel“ enthalten, im Segment der zuckerreduzierten Süßigkeiten und Snacks. Wie im klassischen Kiosk hatten die Schweden ein Süßkram-Regal aufgebaut, mit allem, was sich Schulkinder für ihr Taschengeld wünschen können: klassisches Fruchtgummi, Weingummi, saure Totenköpfe, Colaflaschen oder auch Schaumzuckerwölkchen – alles eben fast ohne Zucker. Über den Süßwarenbereich hinaus umfasst das Portfolio auch salzige Snacks wie Chips und Karamellriegel. Als Marktführer für zuckerreduzierte Süßwaren in Schweden und Norwegen verdeutlicht Pändy, dass Zuckerreduktion zunehmend auch in etablierten Produktkategorien umgesetzt wird.

Pändy mit zuckerreduzierten Süßigkeiten
Foto: Johannes S.


Insgesamt zeigt die Messe, dass der moderne Konsument „Snacks mit Mehrwert“ sucht, die einen aktiven und gesundheitsbewussten Lebensstil unterstützen, ohne dabei auf den gewohnten Genuss zu verzichten.

Gewinner des diesjährigen Innovation Awards war der Creatine Gummy Bar von Creaciones Jugavi, ein Energy-Riegel mit Creatin-Monohydrat. Das eingesetzte Kreatin zeichnet sich durch eine hohe Reinheit und Bioverfügbarkeit aus und wird zur Unterstützung von Kraftleistung und Regeneration eingesetzt. Geschmacklich kombiniert der Riegel natürliche Banane mit 70 Prozent dunkler Schokolade. Das Gummy-Format unterscheidet sich von klassischen Energieriegeln und erweitert das Angebot im Bereich funktioneller Sporternährung.

Scharfe Angelegenheit

Nachdem in den vergangenen Jahren sich oftmals beim Geschmackstrend „sauer“ alles zusammenzog, gingen die Hersteller dieses Jahr noch einen Schritt weiter und setzten den Swicy-Trend auch bei den Süßigkeiten um. Inspiration hierfür ist, wie so oft, TikTok mit seinen Challenges: Vor der Kamera werden Süßigkeiten mit dem mexikanischen sauer-scharfen Dauerbrenner Tajín bestreut und dann genossen. Chili Sweets von Sweets Stories beispielsweise präsentierte saure Fruchtgummis in klassischen Geschmacksrichtungen wie Erdbeer, Pfirsich oder Wassermelone und verpasste dem Ganzen noch einen ordentlichen Kick durch Chili. Diese Süßigkeiten sind vor den Kindern garantiert sicher.

Chili Sweets von Sweets Stories
Foto: Johannes S.

Schokolade mit Chili wiederum kennt man ja schon etwas länger: Montezuma soll es Hernán Cortés 1519 als Xocoatl serviert haben. Die Thüringer Lauenstein Confiserie stellte auf der Süßwarenmesse ihre Bio-Schokoladenlinie Jakao mit dem sogenannten Bean-to-Bar-Ansatz vor. Für Jakao werden ausschließlich edle Kakaobohnen von bio- und sozialzertifizierten Plantagen verwendet. Die fermentierten Bohnenchargen werden individuell geröstet und conchiert, um das spezifische Geschmacksprofil der jeweiligen Bohnensorte optimal zur Geltung zu bringen. Die Vielfalt reicht von reinen Schokoladen mit Kakaoanteilen zwischen 50 Prozent und 100 Prozent bis hin zu aufregenden Kreationen mit Zutaten wie Malabar-Pfeffer plus Zitrone, Flor de Sal mit Orangenöl oder Bird’s Eye Chili sowie veganen Optionen mit entöltem Mandelmehl. Das Schöne bei der Chili-Schokolade war, dass hier der Einsatz vom Chili an der Wahrnehmungsgrenze passierte. Erst retronasal ließ sich dieser wahrnehmen und entwickelte hinten heraus sein Aroma, ohne dass die Mundhöhle brannte. „Es geht ja immer noch um Genuss, da darf es nicht so scharf sein“, erklärt die Chocolatière.

Die Bio-Schokoladenlinie Kakao
Foto: Johannes S.

Subjektiver Innovationsfavorit waren allerdings die gefrorenen Frapes Sour Grapes, gefrorene Weintrauben, verfeinert mit Zitronensaft und einer süßsauren Ummantelung mit Zitronen-, Apfel- und Himbeeraroma. Da kann der Sommer kommen.

Gefrorene Frapes Sour Grapes
Foto: Johannes S.

Nicht unerwähnt werden sollte ein anderes, etwas skurriles Highlight: Zahnstocher mit Geschmack wie Eistee, Ananas und Zuckerwatte von Wunder Zahnstocher – im Übrigen nicht zu verwechseln mit nikotinhaltigen Zahnstochern, die bereits für Ärger sorgen. Also nicht wundern, wenn demnächst in der U-Bahn der Nachbar auf dem Zahnstocher kaut und dabei nach verschiedenen Fruchtsorten duftet.

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

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