Ernährungssicherung braucht Vielfalt –  Zukunft schmeckt auf der Grünen Woche 2026

Wie sieht die Ernährung von morgen aus und wie lässt sich Versorgungssicherheit in einem zunehmend herausfordernden globalen Umfeld gewährleisten? Antworten darauf entstehen dort, wo neue Ideen auf bestehende Strukturen treffen. Lebensmittelmagazin.de schaut freudig auf den Gemeinschaftsstand „Zukunft schmeckt“ auf der Grünen Woche.

Auf der Grünen Woche 2026, die auf eine fast hundertjährige Geschichte zurückblickt, zeigen die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und der Lebensmittelverband Deutschland am Gemeinschaftsstand „Zukunft schmeckt“ in Halle 3.2, warum Vielfalt und Innovationskraft Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Ernährung sind.

Die Grüne Woche selbst begann 1926 als lokale Warenbörse in Berlin. Ursprünglich verband sie eine Wintertagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft mit einer Ausstellung für die breite Öffentlichkeit. Aus dieser regionalen Schau entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg eine internationale Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Heute gilt sie als weltgrößte Verbrauchermesse ihrer Art und als zentraler Treffpunkt für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Erlebnis- und Dialograum

Die BVE und der Lebensmittelverband Deutschland gehören zwar nicht zu den Gründungsvätern der Messe, sind aber seit vielen Jahren prägende Partner und ideelle Träger der Grünen Woche. Sie nutzen die Plattform, um die Leistungsfähigkeit der Ernährungsindustrie sichtbar zu machen, zentrale Branchenthemen zu diskutieren und den Dialog mit Verbraucherinnen und Verbrauchern zu suchen. 

Vom 16. bis 25. Januar 2026 ist der Stand als lebendiger Erlebnis- und Austauschort angelegt. Ein durchgängiges Bühnenprogramm verbindet Information und Unterhaltung: Interaktive Food-Quiz-Formate laden dazu ein, das eigene Wissen zu Ernährung, Lebensmittelkennzeichnung oder Food Waste zu testen, eine Fotobox sorgt für spielerische Zugänge, und in der Showküche wird gekocht, probiert und diskutiert. Täglich wechselnde Koch- und Talkshows greifen Themen auf, die die Branche bewegen: von pflanzenbasierten Alternativen und neuen Rohstoffen über Sensorik-Erlebnisse bis hin zu Nachhaltigkeit, Biodiversität und Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette.

Startups im Fokus: Innovation zum Anfassen

Besonders am zweiten Messewochenende präsentiert sich die Innovationskraft der Branche, wenn BVE und Lebensmittelverband gemeinsam mit dem Start-up-Netzwerk Crowd Food acht junge Unternehmen präsentieren. Sie stehen exemplarisch für neue Denkansätze, Produktideen und Geschäftsmodelle, die das Angebot für Verbraucherinnen und Verbraucher erweitern.

Am Samstag, den 24. Januar 2026, präsentieren sich vier Startups:

Harissa & Co bringt eine traditionelle tunesische Harissa nach Deutschland. Die Chili-Paste basiert auf einem Familienrezept, verzichtet konsequent auf Zusatzstoffe und setzt auf authentischen Geschmack. Ergänzend bietet das Unternehmen Gewürze und Öle an, die nordafrikanische Esskultur zugänglich machen und zeigen, wie kulinarische Traditionen in moderne Alltagsküchen integriert werden können.

Die Gläserne Molkerei stellt mit „hellWACH“ einen Bio-Functional-Drink vor, der Frucht, Fermentation und Koffein in einem milchbasierten Produkt vereint. Hergestellt aus Nebenprodukten der Milchverarbeitung wie Buttermilch und Permeat, steht der Drink für einen ressourceneffizienten Umgang mit Rohstoffen und neue Impulse im Getränkesegment.

Pinù Foods erweitert das Angebot pflanzlicher Milchalternativen um eine Pistazienbasis. Die Produkte werden in Deutschland hergestellt, kommen ohne Öl und künstliche Zusatzstoffe aus und sind auch für Heißgetränke geeignet.

Mit WECARRY rückt das Thema Verpackung in den Fokus. Das Start-up entwickelt ein Mehrwegsystem für To-go-Verpackungen von Backwaren, Snacks sowie Obst und Gemüse und zeigt, wie sich Einwegverpackungen durch praktikable, zirkuläre Lösungen ersetzen lassen.

Am Sonntag, den 25. Januar 2026, folgen weitere vier Startups mit ebenso unterschiedlichen Ansätzen:

Tsarona nutzt afrikanische Kulturpflanzen wie Bambara-Erdnuss und Tigernuss, die ernährungsphysiologisch interessant sind, in Europa bislang aber kaum Beachtung finden. In Form von Protein Balls verbindet das Unternehmen traditionelles Wissen mit zeitgemäßen Snackformaten.

Fungi Feeds entwickelt Lebensmittel auf Pilzbasis und positioniert diese bewusst als eigenständige Kategorie „fungal food“. Pilze werden hier nicht als Ersatz gedacht, sondern als Rohstoff mit eigenem Geschmack, Umami-Tiefe und Nachhaltigkeitspotenzial.

Einen alternativen Weg in der Fischproduktion wiederum zeigt LandLachs, das Lachs in landbasierten Kreislaufanlagen züchtet. Die kontrollierten Bedingungen ermöglichen Transparenz, Tierwohl und eine vom offenen Meer unabhängige Produktion.

BERLIN OATS schließlich bedient mit Premium-Granola in Sorten wie Crunchy Matcha ein wachsendes Segment moderner Frühstücksangebote und zeigt, wie klassische Produkte neu interpretiert werden können.

Rückgrat der Branche

Während die Startups am zweiten Wochenende gezielt in den Mittelpunkt rücken, prägen etablierte Unternehmen der Ernährungswirtschaft den Gemeinschaftsstand über die gesamte Laufzeit der Messe. Sie geben Einblicke in Lieferketten, Rohstoffsicherung, Markenverantwortung und Produktionsrealitäten und machen deutlich, wie Innovation in der Breite umgesetzt werden kann.

Der Stand von Nestlé an der grünen Woche 2026
Foto: Tobias Rücker

McDonald’s Deutschland thematisiert unter anderem die Herkunft seiner Rohwaren und die Zusammenarbeit mit der deutschen Landwirtschaft. Die zur Mühlen Gruppe zeigt, wie Vielfalt von klassischen Fleisch- und Wurstwaren über Bio- und Halal-Produkte bis hin zu veganen Alternativen in bestehenden Strukturen realisiert wird. An ausgewählten Tagen gestalten außerdem Nestlé Deutschland, Mondelēz International, Coca-Cola, Capri-Sun und Ferrero das Bühnenprogramm mit. Ihre Beiträge reichen von regenerativer Landwirtschaft und Verpackungsinnovationen bis hin zu Sensorik- und Markenformaten.

Die zur Mühlen Gruppe auf der grünen Woche 2026
Foto: Tobias Rücker

Vielfalt als Schlüssel zur Zukunft

„Vielfalt ist weit mehr als eine Frage des Geschmacks“, betont Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland. Sie stärke Versorgungssicherheit, Resilienz und Wettbewerb und eröffne Verbraucherinnen und Verbrauchern echte Wahlfreiheit. Voraussetzung dafür seien politische Stabilität, Planungssicherheit und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.

Der Gemeinschaftsstand „Zukunft schmeckt“ von BVE und Lebensmittelverband Deutschland wird gefördert durch die Landwirtschaftliche Rentenbank.

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

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