Vergangene Woche öffnete die Messe Hamburg ihre Tore für die Gastrobranche, mit einem Ausblick auf die gastronomische Zukunft. Für die einen bedeutete die Internorga endlich öfter etwas Neues, für die anderen vor allem die große Qual der Wahl. Lebensmittelmagazin.de schaute sich um.
Eiche zum Trinken, Brokkoli mit Schokolade und Hamburger mit Matcha, Restaurantbesucher und -besucherinnen dürfen sich in nächster Zukunft auf allerlei Neuigkeiten freuen, denn gewohntes war gestern, zumindest wenn es nach den Lebensmittelproduzenten und Unternehmen geht, die auf der Gastro-Messe in Hamburg waren.
Die Internorga 2026 gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte für Gastronomie, Hotellerie, Bäckereien und den Außer-Haus-Markt. Mitte März verwandelte sich das Gelände der Hamburg Messe und Congress in einen internationalen Branchentreff, bei dem Innovationen, Trends und Networking im Mittelpunkt standen.
Das Echo von Karin Tischers Foodzoom ist noch nicht ganz verklungen, unter anderem zum Thema Asian Fusion, da bekam man hier in der ersten Halle bei Wiesenhof bereits dessen Umsetzung präsentiert. Das Unternehmen servierte unter anderem neue Burger-Pattys mit fernöstlichen Geschmacksprofilen, die klassische Burger-Konzepte mit asiatischen Zutaten kombinieren.

Foto: Johannes S.
Der „Green Matcha“-Patty kombiniert Hähnchenfleisch mit Matcha-Tee und einer Reiscrispies-Panade, wodurch ein ungewöhnlicher grüner Farbton und eine besonders knusprige Textur entstehen. Ebenfalls neu ist der „Kimchi Style“-Patty, der mit Zutaten wie Chinakohl, Paprika, Knoblauch und Ingwer geschmacklich an das koreanische Fermentationsgericht Kimchi angelehnt ist. Der perfekte Begleitsnack für Generation Alpha, K-Pop-Demon-Hunters auf dem Handy in der einen Hand, Burger in der anderen.
Neben Burger-Konzepten spielte auch asiatisches Streetfood eine Rolle. Mit „Chicken Karaage“ greift das Unternehmen einen Klassiker der japanischen Küche auf. Vielleicht jetzt, durch vermehrte Urlaubsangebote im Land der aufgehenden Sonne, als Urlaubserinnerung auf dem Teller?
Parallel dazu zeigt sich auch der anhaltende Trend zu pflanzenbasierten Alternativen. Am Messestand wurden unter der Marke Paul’s Plant Based mehrere vegane Produkte präsentiert, darunter Falafel auf Kichererbsenbasis, pflanzliche Shrimps-Alternativen sowie vegane Smash-Burger-Pattys.
Bei den Newcomern und Start-ups lag der Schwerpunkt bei Proteinalternativen, etwa bei den Unternehmen Kultfarm und Mushroots. Kultfarm präsentierte eine Hackalternative auf Basis fermentierter Bohnen, vom Prinzip her ähnlich wie Tempeh, reich an B-Vitaminen und Omega-3-Fettsäuren. Mitbewerber Mushroots setzt direkt auf Pilze. In Form von „Fleisch“-Bällchen dient die Pilzmasse als Basis für Köttbullar, Königsberger Klopse und vieles mehr. Dafür gab es im vergangenen Jahr den Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Foto: Johannes S.
Apropos preisgekrönt. Den Zukunftspreis 2026 erhielt das Unternehmen Algenwerk für seine frische Spirulina. Gab es das Superfood bislang vor allem in getrockneter Form zu kaufen, kann man es jetzt in voller Bioverfügbarkeit genießen. Die Dresdner stellten auf der Internorga Varianten mit Knoblauch, Chili und Koriander vor, als avocadofreie Guacamole-Alternative.

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Nur wenige Stände weiter präsentierte Call me Nuts Erdnussbutter jenseits von „crunchy“ und „smooth“. Mit Habanero-Chili vermutlich am besten zu Asia-Nudeln oder, für die Verwegenen unter den Frühstückern, in Kombination mit Saatenmischungen für den extra Crunch. Tolles Mouthfeeling.

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Und was definitiv die Frage aufwirft, wie man bislang ohne auskommen konnte, sind die Apfel-Pommes von FruitRebel. In etwas Stärke gewendet und frittiert, mit Zucker oder Salz bestreut, schmecken sie fantastisch. Am Stand gab es dazu Cheesecake- und Karamell-Dip als süße sowie Barbecue- und Teriyaki-Soße als herzhafte Variante, absolut kindergeburtstagskompatibel. Aber wie Melanie Zach vollkommen richtig anmerkte, „Denken Sie hierbei auch mal an eine Beilage zu Wildgerichten.“

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Ähnlich innovativ und fancy war der Snack von Broccoli Lover. Blanchierter und gefriergetrockneter Brokkoli in den Geschmacksrichtungen Salty Lemon, Choc und Chili, wobei Schokolade hier nicht als Süßigkeit gemeint ist, sondern in ihrer bitteren Variante, die eigentümlich und spannend schmeckt.

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Alle Roboterarme voll zu tun
Neben klassischen Lebensmittelherstellern präsentierten auch zahlreiche Tech-Start-ups ihre Lösungen für die Gastronomie der Zukunft. Digitale Bestellsysteme, automatisierte Küchenprozesse und intelligente Warenwirtschaftssysteme gehören zu den Innovationen, die auf der Messe vorgestellt wurden. In den vergangenen Jahren sah man bereits Roboter, mit und ohne Katzenöhrchen, die beim gastronomischen Personalmangel mit anpackten, etwa beim Abräumen von Tellern. Die Branche ist nun bereits einen Schritt weiter. Wenn man an Konzerte oder Fußballspiele denkt, wo endlos lange Schlangen durstiger Fans auf vereinzelte, überforderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Bierbuden treffen, übernimmt demnächst, wenn es nach dem österreichischen Unternehmen BHS Datensysteme GmbH geht, der „Löschwagen“-Bierroboter das Zapfen, und zwar mit sechs Armen gleichzeitig. 1000 Bier pro Stunde verspricht der Hersteller. Auch in Hotels wird die inzwischen oft verwaiste Hotelbar durch Maschinen ersetzt.

Foto: Johannes S.
Wo man morgens beim Frühstücksbuffet seinen Cappuccino am Kaffeevollautomaten zieht, kann man künftig nicht nur seinen Matcha Latte zwischendurch, sondern abends auch seinen Espresso Martini zur Cocktailstunde zapfen, wenn man der Idee von Unternehmen wie Cup&Cino folgt.

Foto: Johannes S.
KI, Robotik und Warensystematik konnten im Laufe der Jahre aus der Nische heraus inzwischen immerhin anderthalb Hallen füllen. Längst sind Bestellsysteme, von der Tischreservierung bis zur Menübestellung, vielerorts durchdigitalisiert und Roboter sowie Computersysteme stehen rund um die Uhr bereit. Was im Notfall, etwa bei verspäteter Ankunft mitten in der Nacht, ein Glücksfall ist, kann im Alltag auch trübselig wirken. Eine verwaiste Rezeption, kein freundliches Lächeln, kein herzliches Willkommen. Da kann die Maschine den Menschen noch nicht ersetzen.
Danke, nein, ich darf noch fahren
Wer keine Lust auf alkoholfreies Bier hat, wem Apfelschorle zu infantil und Wasser zu langweilig ist, wird in naher Zukunft eine große Auswahl haben. Lütts Landlust beispielsweise erweitert das Spektrum jenseits der Apfelschorle für Kinder und der Rhabarberschorle für Schwangere um spannende Sorten wie Quitte, Apfel-Sanddorn, Stachel- sowie Johannisbeere.

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Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch die Nürnberger Firma Kraftschluck, die sich bei ihren Smoothies und Shots auf das regionale Obstangebot spezialisiert hat, das weit reichhaltiger ist, als man annehmen mag. So lernte man etwa die Haskap-Beere im Red Smoothie mit Erdbeeren und Johannisbeeren kennen. Stachelbeere, Spinat und Minze boten eine spannende Green-Smoothie-Alternative, die auch ohne Banane hervorragend schmeckt.

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Besser als in die Tischkante zu beißen
Einen ganz neuen Geschmack bietet Golden Brown, eine Limonade auf Eichenholzbasis. Von ungenießbaren Gerbstoffen befreit, liefert sie mit ihren feinen Bitternoten eine interessante Alternative zu Tonic Water und Ginger Ale. „Wenn man sie allerdings mit Alkohol genießen möchte, sollte man geschmacksneutrale Sorten wie Wodka oder vielleicht Gin nehmen, keinesfalls Whisky oder Rum, die mit Raucharomen alles überdecken. Wir empfehlen daher eher den puren Genuss“, meinte Hersteller Pascal Farah. Da das Produkt erst vor wenigen Wochen hergestellt wurde, müssen Neugierige wohl noch etwas warten, bevor sie es genießen können.

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Spannend und überzeugend als elegante Alternative zu Sekt und Co ist Franz von Fein aus Tübingen beziehungsweise München, der sich mit hochwertigen alkoholfreien Aperitifs und Schaumwein-Alternativen positioniert. In den Varianten Rosé und Blanc gibt es „Sparkling Tea“. Hier werden Tees mit Frucht- und Kräuteraromen kombiniert und mit Kohlensäure versetzt. Das Ergebnis ist runder als alkoholfreier Sekt, aber weniger polarisierend als Kombucha, der ebenfalls auf Empfängen serviert wird. Außerdem führen sie alkoholfreie Tonics im Sortiment, Bernstein und Rubin. Letzterer erinnert mit Zitrone, Wacholder und Hibiskus, aufgespritzt mit Soda, an einen Negroni Sbagliato.

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Im Kontext der Internorga ließ sich Franz von Fein somit als Teil einer größeren Bewegung einordnen, der sogenannten No- und Low-Alcohol-Kategorie, die im Rahmen einer genuss- und zugleich gesundheitsbewussten Lebensweise zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das reichhaltige Angebot ist vielfältig und bietet inzwischen deutlich mehr als Apfelschorle oder panierten Camembert.
