Jedes Jahr präsentiert Trendscout Karin Tischer von der Agentur Food and more vorab der Internorga in Hamburg die sich gegenwärtig abzeichnenden Trends und deren Entwicklung. Einiges kennt man bereits, auf vieles kann man sich freuen. Lebensmittelmagazin.de stimmt sich schon mal ein.
Der aktuelle FoodZoom 2026 der INTERNORGA zeigt, wie stark globale Einflüsse den Außer-Haus-Markt in Deutschland prägen und welche Konzepte künftig den Ton angeben. Besonders im Fokus stehen asiatische Küchen, mexikanische Vielfalt, westafrikanische Impulse, kreative Fusion Cuisine sowie eine neue Snackkultur, die Erlebnis, Individualität und Effizienz vereint.
Gen Asien
Die asiatische Foodkultur entwickelt sich dynamisch weiter. Nachdem chinesische und thailändische Klassiker lange Zeit die Speisekarten dominierten, rücken Japan und Korea, aber auch Vietnam stärker in den kulinarischen Mittelpunkt. Japanische Ästhetik und Präzision begeistern sowohl puristisch als auch in modernen Interpretationen. Ramen, Udon und Soba, dicke Nudeln, bieten ein neues Mouthfeeling. Hochwertige Wagyu-Kreationen oder kunstvoll inszeniertes Sushi stehen für Handwerk und Klarheit.

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Auch die koreanische Küche trifft mit ihrem Spiel aus Süße, Säure, Würze und Frische den Zeitgeist. Korean BBQ, Bibimbap, Bulgogi oder Kimchi liefern intensive Aromen und hohe Emotionalität, besonders Kimchi setzt als Umamibooster über Landesgrenzen am Tellerrand hinweg neue Maßstäbe.

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Interkontinental
Panasiatische Restaurants kombinieren heute selbstverständlich Sushi mit Tom Kha Gai oder Bao Buns mit vietnamesischen Sommerrollen, wie es in kosmopolitischen Städten wie Singapur oder Shanghai längst gang und gäbe ist. Diese Vielfalt spricht unterschiedliche Zielgruppen an.
Fusion Food steht für Mut, Kreativität und Individualität. Japanische Präzision trifft auf mediterrane Leichtigkeit, koreanische Würze auf italienische Klassiker, mexikanische Aromen auf japanische Techniken.
Junge Gastronomiekonzepte setzen auf kreative Fusionsküche. Früher der Signature Style einiger Fine-Dining-Restaurants, ist Fusion heute auf Streetfood-Märkten, in Snackbars und in sozialen Medien allgegenwärtig. Gewürze, Raucharomen, intensive Saucen und kontrastreiche Texturen sorgen für ausdrucksstarke Tellerbilder. „Das Fusion-Ergebnis fällt jetzt mutiger, schriller und provokanter aus“, verspricht Karin Tischer.
Gerichte wie Bulgogi-Burger, Sushi-Interpretationen mit europäischen Einflüssen oder Ramen mit lateinamerikanischen Aromen zeigen, wie selbstverständlich Grenzen heute überschritten werden. Für Gastronomiebetriebe eröffnet dies die Chance, sich klar zu positionieren und neue Zielgruppen anzusprechen.
Fiesta Mexicana
Parallel erlebt die mexikanische Küche eine Renaissance fernab der Tex-Mex-Klassiker wie Chili con Carne. Authentische Gerichte wie Mole, Churrasco-Fleischspieße oder handwerklich hergestellte Nixtamal-Tortillas rücken an ihre Stelle. Fingerfood, Sharing-Konzepte und Streetfood-Formate bringen zusätzliche Dynamik. Gleichzeitig finden mexikanische Elemente zunehmend Eingang in Fine Dining ebenso wie in Food Trucks und Event-Catering.
Im Fine Dining werden z. B. Mini-Tacos oder Mole-Saucen als raffinierte, hochwertige Komponenten ins Menü integriert. Food Trucks setzen auf kreative Taco-, Burrito- oder Quesadilla-Varianten, die beispielsweise vegan oder mit Fusion-Aromen ausfallen können. Im Event-Catering funktionieren mexikanische Elemente besonders gut als kommunikatives Sharing- oder Fingerfood – etwa Tostadas, Taco-Stationen oder Guacamole-Live-Zubereitung.

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Westafrika bringt neue Aromawelten
Noch als zartes Pflänzchen sieht die Expertin kulinarische Impulse aus dem Senegal, Nigeria und weiteren westafrikanischen Ländern, die schon jetzt und in naher Zukunft vermehrt die europäische Gastronomie bereichern. Noch sind viele Gerichte hierzulande wenig bekannt, doch das Interesse wächst.

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Der süß-scharfe Jollof Rice, cremiges Fufu, Maniok oder Kochbananen bieten spannende Alternativen zu klassischen Beilagen. Chili, Ingwer, Knoblauch, Erdnussöl und fermentierte Komponenten sorgen für intensive Geschmackserlebnisse.
Sauce drüber
Besonderen Fokus legt Trendscout Tischer grundsätzlich auf Saucen. Diese entwickeln sich zu zentralen Profilgebern moderner Küchen. Neben Klassikern wie Soja oder Dashi entstehen innovative Kombinationen wie Smokey Maple Ponzu oder auch rasantere Kreationen wie Kumquat-Hollandaise. „Größere Rolle spielen dann auch die Geschmacksrichtungen swissy, also süß-scharf, und Smokey, mit der Assoziation des Hausgemachten. Soßen definieren die räumliche Dimension“, erklärt sie.
Auch vegane und vegetarische Saucen auf Basis von Nüssen, Hülsenfrüchten oder fermentierten Zutaten gewinnen an Bedeutung. Fermentation verstärkt nicht nur den Umami-Charakter, sondern steht auch für Handwerk, Natürlichkeit und gesundheitlichen Mehrwert. Schwarzer Knoblauch, Kimchi, fermentierte Kräuter oder exotische Pasten eröffnen neue Geschmacksdimensionen.
Zudem rückt Textur stärker in den Fokus. Crunch, Cremigkeit und fließende Elemente werden bewusst kombiniert. Toppings wie gerösteter Quinoa, Algenflakes oder Pistazienschaum liefern sensorische Mehrwerte und visuelle Highlights. „Alles dreht sich um das Spiel mit den Konsistenzen, wie man es schon beispielsweise in der chinesischen Küche kennt.“
Snackstrategie
Der Snackmarkt boomt weiter, gleichzeitig steigen die Ansprüche der Gäste. Kleinere Portionen, bewusst gewählte Genussmomente und flexible Konzepte prägen das Konsumverhalten, wie beispielsweise die Möglichkeit, mit der einen Hand zu essen und mit der anderen Hand auf dem Smartphone zu arbeiten. Der Snack wird zur Bühne für Emotionen, Storytelling und Inszenierung.
Klassiker wie Döner, Käsebrötchen oder Pommes erhalten kreative Upgrades durch Signature-Saucen, internationale Gewürze oder moderne Präsentation. Internationales Streetfood von Dumplings bis Empanadas ergänzt das Angebot. Healthy Snacking mit High Protein, Low Carb oder fermentierten Zutaten sowie Superfoods bedient den Wunsch nach Balance.
Gleichzeitig gewinnen Quick-and-Go-Lösungen an Bedeutung. Automatenkonzepte, modulare Systeme und individualisierbare Komponenten ermöglichen Effizienz bei gleichzeitig hoher Erlebnisqualität. Digitalisierung und KI-Tools unterstützen Planung, Personalisierung und Warensteuerung.
Grün wie die Hoffnung
Noch ein kleines Detail: In den wilden Zeiten wie gerade ist Grün Trendfarbe für Gerichte. Man denkt dabei an Matcha und Pistazien, die als Trend bleiben, auch wenn die einst gehypte Dubai-Schokolade schon passé ist.

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Orientierung für die Branche
Die Hamburg Messe und Congress GmbH positioniert die Internorga vom 13. bis 17. März 2026 erneut als zentralen Treffpunkt für Hospitality, Gastronomie, Bäckereien und Konditoreien. Die Leitmesse bietet einen umfassenden Überblick über Produkte, Konzepte und Innovationen für den gesamten Außer-Haus-Markt.
Im Trendforum PINK CUBE kann man die Food-Trendforscherin Karin Tischer noch einmal erleben, wie sie lebendig und eindrucksvoll dem Fachpublikum die Trends präsentiert.
