Gelato Week ‘26 und der Sommer kann kommen

Das Leben ist in die Straßencafés zurückgekehrt; Alt und Jung können bei steigenden Temperaturen endlich wieder Eiscreme genießen. Der perfekte Zeitpunkt für Berlins Eisdielen, sich zehn Tage lang kreativ zu überschlagen. Lebensmittelmagazin.de hat sich vorab durchgeschleckt.

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, höchste Zeit für Eis in der Waffel! Die italienische Food-Agentur True Italian hat wieder Berliner Eiscreme-Manufakturen bei der Ehre gepackt und konnte über 50 handwerkliche Eisdielen im gesamten Stadtgebiet dazu einladen. Zwischen dem 7. und 17. Mai bietet jede teilnehmende Gelateria eine eigens entwickelte Sorte an, die exklusiv während der Aktionszeit erhältlich ist.

Starke Preisentwicklung

Der Preis pro Kugel ist einheitlich auf 1,80 Euro festgelegt. Vor sieben Jahren begann alles einmal bei einem Euro. Wenn man heute zur Eisdiele geht, bezahlt man im seltensten Fall weniger als 2,50 Euro, und 3 Euro sind keine Seltenheit. Medea Sisti von True Italian versichert: „Wir wollen unter 2 Euro bleiben, aber die 1,50 Euro kriegen die Eisdielenbesitzer nicht mehr hin.”

Was sind die Kostentreiber bei der Eiscreme-Preisentwicklung? Zu der Frage schließt sich ein Erlebnis im vergangenen Jahr an: In einer Kreuzberger Eisdiele entpuppte sich ein einfaches Spaghettieis als Riesenportion, die zu zweit kaum zu bewältigen war; Schlagsahne, Vanilleeis, Erdbeersoße und weiße Schokoladenraspel, und das Ganze zu einem stattlichen Preis von fast 9 Euro, aber wirklich wegen der Rohstoffmenge?

Eisdielenbesitzer Davide Chisari von La Pallina ist selbst ein großer Fan der Rohstoffe seiner Heimat und schwärmt von sizilianischen Blutorangen, kalabrischen Bergamott-Zitronen und Pistazien aus Bronte, aber er erklärt: „Der teuerste Posten sind die Personalkosten. Der Eisverkauf ist stark wetterabhängig. Wenn es ein Regentag ist, habe ich mein Personal ja trotzdem da, der Umsatz muss dann eben an den Sonnentagen mit reingeholt werden. Aber die gestiegenen Personalabgaben verschärfen die Kosten erheblich.” Hohe Energiekosten bei ganztägig laufender Eistheke und die Mietpreisentwicklung der Ladenlokale beeinflussen die Preisgestaltung zusätzlich erheblich.

Die Eisdiele „La Pallina“
Foto: Johannes S.

Schlüpfrige Angelegenheit

Die Eisdiele La Pallina am Botanischen Garten, übersetzt „Das Kügelchen“, war Treff- und Ausgangspunkt für einen journalistischen Spaziergang durch Lichterfelde im Süden von Berlin. Dabei ist die Eisdiele selbst noch relativ jung; das Pärchen hatte sie vor fünf Jahren übernommen und nimmt seit zwei Jahren an der Gelato Week teil. Nach Eisexperimenten des Inhabers mit Brot von der befreundeten Johann Bäckerei präsentiert die Eisdiele dieses Jahr mit „Ofenschlupfer“ ein Dessert aus der Kindheit seiner Frau Susanne: Eiscreme auf Vanillebasis mit Zimtapfel, Rosinen und Brotcroutons, die einen spannenden Umami-Kontrast bieten. Noch leckerer ist aber das Lakritzeis direkt daneben mit kandierter Zitrusschale.

Die Eissorte „Ofenschlupfer“
Foto: Gelato Week

So wild die Kreationen bisweilen hier anmuten, so ist Davide den italienischen Klassikern verpflichtet. Zuppa Inglese kennt man hier in Deutschland eigentlich kaum, gehört aber in Italien zum Standardrepertoire. Seine Lieblingssorte: „Stracciatella, aber ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Dabei handelt es sich nicht um Vanilleeis mit Schokostückchen, sondern stracciare bedeutet zerreißen. Erhitzte flüssige Schokolade wird in die Eismasse gerührt, und bei dem Kontakt erstarrt und zerbricht sie sofort. Für unsere Stracciatella verwende ich Schokolade aus Modica. Deren Besonderheit ist der kristalline Zucker, der für einen besonderen Biss sorgt.”

Bei Artigiani in Lichterfelde wartet „Mediterraneo 2.0“, ein toskanisches Olivenöl-Gelato mit Rosmarin, Zitronenmarmelade und aromatisiertem Olivenöl: Gaumenkino, das vom Toskanaurlaub berichtet. Insbesondere der Rosmarin kommt subtil wie eine Sommerbrise im Kräutergarten daher. Neben der Theke hängt ein Schild, das darauf hinweist, dass Artigiani Berlin mit dem internationalen Preis „Mastery of Gelato Science“ ausgezeichnet wurde und 2026 zu den Top 15 Eissorten weltweit gehört. Zudem gewann das Team 2024 den ersten Platz bei der Germany Challenge.

Die Eissorte „Mediterraneo 2.0“ von Artigiani
Foto: Johannes S.

In der Schwesterfiliale am Schlachtensee gibt es „Tokyo Love“ mit Matcha, Wasabi und Yuzu, klingt verführerisch.

Der Pressespaziergang endete bei der Berliner Genussmanufaktur. Hier wird Lemon Cheesecake mit Cookie Dough und Lemon Curd serviert, auf Quarkbasis mit kandierten Limetten- und Amarettinistückchen. Wenn man rein zufällig schon einmal da ist, kann man sich aber auch hervorragend Waldbeere-Melisse und Chia-Maracuja zu Gemüte führen.

Sneak Preview 

Rein zufällig ergab sich schon vorab die Möglichkeit, in Kreuzberg bei Gelato Disco „Yuzu Disco“ zu verkosten, ein japanisches Zitrus-Sorbet mit Sesam-Crunch; sollte man nicht verpassen. Spannenderweise erinnerte die Kombi an ein koreanisches Sommergericht, Dongchimi Guksu, gekühlte Buchweizennudeln mit geeistem Kimchisaft. Das Experiment mit Yuzu Disco wäre es wert.

Die Eissorte „Mediterraneo 2.0“ von Artigiani
Foto: Johannes S.

Begleitend gibt es eine Stempelkarte: Wer mindestens fünf teilnehmende Eisdielen besucht und die Karte bis zum 18. Mai einreicht, nimmt an einer Verlosung teil, bei der am 26. Mai unter anderem Gutscheine im Wert von 100 oder 50 Euro vergeben werden.

Und sonst so?

Zu den teilnehmenden Eisdielen und ihren Aktionssorten gehören unter anderem Baci Italiani mit „Dolce Bacio“, einem Tahini-Eis mit Salted Caramel und Lotus Biscoff; Café Roberta mit „Persian Summer“, einem Gurkensorbet mit süßem Minzessig; Gimme Gelato in Charlottenburg mit Matcha Latte sowie Klassen’s Eis mit Olivenöl und Pinienkernen und vielen, vielen mehr: https://true-italian.com/gelato-week-2026-berlin-de/

Die Eissorte „Persian Summer“ (links) und „Dolce Bacio“ (rechts)
Foto: Gelato Week

Bleibt diese Woche für allerbestes Wetter zu hoffen, damit man sich durch so viele spannende und verrückte Sorten wie möglich durchprobieren kann, Gurke mit Minzessig, Champagner…klingt fantastisch!

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

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