Es ist wieder bundesweite Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung. Überall gibt es Aktionen und Informationsveranstaltungen für Verbraucherinnen und Verbraucher, etwa von KIMBA. Lebensmittelmagazin.de hat eine Schulklasse im Zero-Waste-Kochkurs begleitet.
Vorspeisenvariationen aus dem Eisenbahnwaggon
Es hätte für 13 Euro als Vorspeisenvariation auf der Abendkarte stehen können, was die 20 Drittklässler der deutsch-französischen Judith-Kerr-Grundschule aus Charlottenburg im KIMBAexpress zubereitet haben, dem Küchenwaggon des Kinder- und Jugendprojekts der Berliner Tafel. Der ausrangierte Eisenbahnwaggon aus den 60er-Jahren mit Einbauküche zog vor drei Jahren vom Großmarkt auf Gleis 1 des ehemaligen Anhalter Bahnhofs um und steht heute hinter dem Spektrum des Deutschen Technikmuseums.

Foto: Johannes S.
Spielregeln in der Küche
Um halb zehn trafen die Kinder im KIMBAexpress auf das Team: Koch und Ernährungsberater Steffen, die Mitarbeiterinnen Lea und Julia sowie die beiden Bundesfreiwilligen Valentin und Bela. Geplant war ein gemeinsames Kochen mit besonderem Fokus auf Zero Waste, das heißt: Lebensmittel so weit wie möglich zu verbrauchen. Bevor sich alle an das Menü machten, erklärte der Koch neben dem Verhalten bei Brand ein paar Spielregeln in der Küche. Besonders wichtig ist der Umgang mit dem Küchenmesser, so zeigte er etwa den Tunnelgriff beim Schneiden. Ebenso wichtig ist die Küchenhygiene, also vorheriges Händewaschen und kein Fingerablecken.
Kräutersalz und Hochbeete
Die Klasse wurde in zwei Gruppen geteilt. Die eine Hälfte kochte, während die andere mit Leiterin Lea aus getrockneten Kräutern Kräutersalz herstellte: Majoran und Basilikum sorgten für den Duft, Kornblumen für die Farbe, Zwiebeln und Lauch für die Umami-Tiefe.
Außerdem erkundeten die Kinder gemeinsam die Hochbeete vor dem KIMBAexpress mit Gemüse und Kräutern. Dafür hatte die Leiterin ein Spiel vorbereitet: Perforierte Döschen waren mit Anis-Ysop, Minze und Rosmarin gefüllt, die die Kinder zunächst erschnuppern und dann in den Beeten wiederfinden mussten. Zudem zeigte sie ihnen abgefahrene Gemüsevarietäten wie eine mexikanische Zwerggurke, einen pinken Brokkoli oder Feuerbohnen, in deren Schoten sich spannende, wie Halbedelsteine marmorierte Bohnen versteckten.

Foto: Johannes S.
Kuku, Tabbouleh und Aquafaba
Währenddessen schwang die andere Hälfte der Klasse bereits den Kochlöffel. Das Gemüse für das Menü suchten die Kinder zuerst draußen vor dem Waggon an einem Marktstand zusammen. Dankenswerterweise wird es von der Firma Peter Keuthmann vom Berliner Großmarkt gespendet.
In Zweiergruppen bereiteten die Kinder die einzelnen Bestandteile zu, zum Beispiel Kuku sibzamini, persische Kartoffelpuffer aus Pellkartoffeln mit einem frischen Pfefferminzkick. Dafür durften sie als Erstes die Pellkartoffeln reiben, im Sinne von Zero Waste mit Schale. Zusammen mit dem Bundesfreiwilligen Bela machte eine andere Kindergruppe Tabbouleh und lernte, dass man für diesen Salat nicht nur die Petersilienblätter verwenden kann, sondern auch die besonders aromatischen Stiele fein gehackt einarbeiten sollte. Auch Tabbouleh bekommt etwas Frische durch Minze, aber hier meinte Bela: „Die Stiele von der Pfefferminze sind zu dick und hart, um sie ins Essen kleinzuhacken.“

Foto: Johannes S.
In der Mitte des Tisches stand eine zierliche Plastiktonne für den Abfall. Tatsächlich blieb sie ziemlich leer: ein paar Eierschalen, ein paar Zwiebelschalen, das war schon fast alles. Ein weiteres schönes Beispiel für Zero Waste: Aus einer Dose Kichererbsen wurde Hummus, und das Wasser aus der Dose wurde nicht weggegossen, sondern als Aquafaba für eine Mousse au Chocolat genutzt, als veganer Ei-Ersatz, der sich normalerweise aufschlagen lässt wie Eischnee. Ganz so wollte es heute nicht klappen, vielleicht war am Mixstab ein bisschen Öl. Ohne steifen Eischnee gab es eben keine Schokoladenmousse, sondern wurde kurzerhand zu Schokoladeneis umgewidmet.

Foto: Johannes S.
Kleine Portionen, große Wirkung
Noch etwas vermeintlich Einfaches lernten die Kinder von Steffen und seinem Team: Nach dem Kochen richteten sie gemeinschaftlich das Essen auf dem Teller an. Ein Löffelchen Hummus, darin ein Wölkchen vom ausgebackenen Reispapier, ein bisschen Ofengemüse, dazu Gurken-Joghurt-Dip, alles in klitzekleinen Portionen. Denn nicht nur Kinder können oft schlecht einschätzen, wie groß ihr Hunger und Appetit sind, und es ist bedauerlich, wenn Reste auf dem Teller übrig bleiben, die dann im Müll landen. Es sieht ungemein schick aus, und wer noch Appetit hat, nimmt sich eben nach. Dazu gehörte auch die letzte Challenge der Kinder: Was auf den Tellern übrig blieb, wurde gesammelt und gemeinsam reflektiert. Es bleibt schon öfter etwas übrig, gerade Kinder mögen nicht alle Speisen, aber die Mengen lassen sich deutlich verringern.

Foto: Johannes S.
Was hinter KIMBA steckt
KIMBA steht für „Kinder erleben Lebensmittel“ und ist das Kinder- und Jugendangebot der Berliner Tafel. Von April bis Oktober besuchen Schulklassen den KIMBAexpress und lernen dort etwas über Ernährungsbildung und Lebensmittelverschwendung. Bei KIMBA College besuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Klassen in der Schule. Außerdem haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, bei „Tafel Backstage“ die Berliner Tafel auf dem Großmarkt kennenzulernen. KIMBA wurde mit dem Bundespreis des Bundesministeriums in der Kategorie Gesellschaft und Bildung ausgezeichnet.
Die Aktionswoche „Zu gut für die Tonne!“
Vom 29. September bis zum 6. Oktober 2026 findet die bundesweite Aktionswoche „Zu gut für die Tonne!“ bereits zum siebten Mal statt. Ausgerichtet wird sie vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie den Bundesländern.
Das Motto der diesjährigen Ausgabe lautet „Alles auf dem Zettel!“ und stellt die Planung in den Mittelpunkt: vom Einkaufszettel über den Blick in den Kühlschrank bis zur kreativen Resteverwertung. Gemeint ist dabei nicht nur der klassische Einkaufszettel oder die Planung per App. Ebenso wichtig ist es, sich zu Hause regelmäßig einen Überblick über die Vorräte zu verschaffen. Der Anlass ist handfest: Laut Umweltbundesamt wirft jeder Mensch in Deutschland im Schnitt 74,5 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg, knapp über die Hälfte der Lebensmittelverschwendung insgesamt. Die Reduzierung von Lebensmittelabfällen ist außerdem in der Nationalen Ernährungsstrategie verankert.
Um die Reste muss man sich im KIMBAexpress ohnehin keine Sorgen machen: Die Besucherbetreuerinnen und -betreuer des Deutschen Technikmuseums sind zuverlässige Abnehmer für übrig gebliebene Salate und andere Köstlichkeiten, die die Kinder dort zubereiten.
