Bevor die Zeit abläuft …

Der Clearance Sales Onlineshop des Lebensmittelproduzenten Danone wurde für sein Nachhaltigkeitskonzept ausgezeichnet. Lebensmittelmagazin.de traf sich online mit dem verantwortlichen Projektmanager.

„Aufgezogen und durchgezogen“ hat Dr. Torsten Gully als verantwortlicher Danone-Projektmanager den Clearance Sales Onlineshop. Damit hat er beim „Zu gut für die Tonne!“-Bundespreis in der Kategorie „Digital“ abgeräumt. Alljährlich wird der Preis im Rahmen der „Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter dem Dach der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ an Firmen und Initiativen verliehen, die sich der Problematik der Lebensmittelverschwendung kreativ und progressiv annehmen.

Dr. Susanne Knittel und Dr. Torsten Gully von Danone sind Teil des Teams vom Clearance Sales Onlineshop.
Foto: Danone GmbH

Digitale Effizienz

Seit Mitte 2020 laufen die Clearance Sales von Danone erfolgreich über den dafür entwickelten Onlineshop. Hier werden vornehmlich Waren mit geringer Restfrische, aber auch ein geringer Anteil mit Produkten mangelhafter Etikettierung, angeboten. Zuvor wurden diese Verkäufe im ersten Schritt seit 2018 telefonisch abgewickelt, für dessen Ablauf extra eine Person eingestellt wurde. Bis dahin wurden demnächst abgelaufene Lebensmittel tatsächlich entsorgt – oder, wie auch heute noch, an die gemeinnützige Organisation Tafeln e. V. gespendet.

Lebensmittelmagazin.de will in dem Online-Shop einkaufen, scheitert aber. Torsten Gully klärt auf: „Der Clearance Sales Onlineshop ist ein abgegrenzter Bereich, der nicht an Endkunden verkauft, sondern sein Angebot an Großkunden richtet. In Deutschland sind das gegenwärtig 18, in Österreich zehn Kunden. Darunter sind Großhändler wie beispielsweise die Firma Sirplus, aber auch die Großküchen von Kantinen, Gefängnissen, Krankenhäusern und Schulküchen. Die Einführung des Clearance Sales Onlineshops mitten in der Pandemie war eine sehr herausfordernde Situation, da viele Kantinen situationsbedingt geschlossen hatten. Dennoch hatte sich der Onlineshop in dieser Situation bereits gegenüber dem telefonischen Angebot als effizient bewährt, da das Angebot tagesaktuell allen Teilnahmerinnen und Teilnehmern gleichzeitig angeboten werden konnte, sich die Abwicklung rasant beschleunigte und man nicht erst noch auf Rückmeldung warten musste. So haben wir Neukunden dazugewonnen und konnten gleichzeitig Bestandskunden reaktivieren“, erklärt der Projektmanager.

Statt zu entsorgen

„Restfrische“ bedeute in diesem Zusammenhang, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum dieser Lebensmittel in ein bis zwei Wochen abläuft. Als Spenden an die Tafeln bleiben dann Produkte mit der Restfrische einer Woche bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Die Rechnung geht laut dem Danone-Experten auf: „Aus unserem Zentrallager in Ochsenfurt gehen die Lieferungen mit den vollgepackten LKWs unseres Hausspediteurs innerhalb von 48 Stunden, bei der Mindestbestellmenge einer Palette, beim Kunden ein, inklusive Rückverfolgbarkeit und Kühlkette wie bei den konventionellen Produkten. Das spart die Kosten der Entsorgung und ist in der Gesamtbilanz zugunsten von Danone, auch wenn die Produkte unter den Produktionskosten verkauft werden“. Im Clearance Sale finde man grundsätzlich den breiten Schnitt aller Danone-Produkte im Angebot.

Neukunden statt Kannibalen

Die Strategie der Firma Danone geht auf, bis 2021 die Lebensmittelverschwendung um 30 Prozent zu reduzieren, nur noch ein geringer Teil lande final in der Biogasanlage. „Mit dem Online Clearance Sales retten wir rund 1.000 Tonnen Lebensmittel vor der Entsorgung“, resümiert Torsten Gully stolz. Mit der Preisverleihung sieht sich Danone als Vorbild für andere Großunternehmen, insbesondere mit Frischeprodukten. Davon abgesehen, seien für die Installation eines solchen Clearance Sales Onlineshops Commitments, aber auch ein „Wechsel des Mindsets“ erforderlich. Torsten Gully gibt zu bedenken: „Man muss als Unternehmen erkennen, dass der neue Kanal einen neuen Kundenkreis erschließt – und nicht Bestehende ersetzt, denn das ist ein ganz anderes Angebot“. Jedes nicht weggeworfene Lebensmittel trägt zur Nachhaltigkeitsstrategie der Vereinten Nationen bei, die Danone mit diesem neuen Konzept unterstützt. Auf der anderen Seite sieht Torsten Gully: „Das oberste Ziel ist es aber für uns, in erster Linie unsere Lebensmittelverluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verringern, dass möglichst wenig Ware übrigbleibt“.

Haupt-Artikelbild (oben): BMEL – Trutschel/photothek

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.