Auch bei Hitze: Abwarten und Eistee trinken!

Eistee oder Cold-Brew-Tee? Den Unterschied erklären wir hier.

„Tee ist ein Kunstwerk und braucht eines Meisters Hand, um seine edelsten Eigenschaften zu offenbaren. Wir haben guten und schlechten Tee, wie wir gute und schlechte Gemälde haben – gewöhnlich schlechte. Es gibt kein einziges Rezept, den Tee vollendet zu bereiten, ebenso wie es keine Regeln gibt, einen Tizian oder einen Sesso zu malen. Jede Zubereitung der Blätter hat ihre Eigenheit, ihr besonderes Verhältnis zu Wasser und Wärme, sie trägt bestimmte Erinnerungen mit sich und hat ihre eigene Art, eine Geschichte zu erzählen“, beginnt das zweite Kapitel, die Schulen des Tees in Kakuso Okakuras Buch vom Tee.

Der feine Unterschied: Eis oder Eiswasser

Verschiedene Eistees
Zubereitung verschiedener Eistees. Foto: Paper & Tea GmbH

Draußen flimmert der Asphalt, umso erfrischender ist der Anblick der Glaskannen mit Eiswasser. An der Oberfläche des ersten Kruges schwimmen die silbergrünen Teeblätter des weißen Tees: Cold-Brew-Tee – auf japanische Art Mizudashi genannt. Daniel Nitsch von Paper & Tea nimmt zehn Gramm Tee auf einen Liter Wasser. Während sich das Wasser farblich ganz leicht nur ändert erklärt der Tee Experte:

„Bitterstoffe lösen sich erst ab 45 Grad Celsius, sodass bei der Cold-Brew-Methode die floralen Aromen mit ihrer sublimen Süße weitaus stärker im Vordergrund stehen als bei klassisch heißem Tee. Noch interessanter ist der Effekt, wenn man den Cold-Brew-Tee tatsächlich mit Eiswürfeln ansetzt, der Unterschied ist immens“

Eistee eine adäquate Alternative?

Anschließend kippt er dieselbe Portion japanischen Grüntee ins Eiswasser, die Nadeln tanzen und färben das Wasser allmählich sattgrün.

„Generell lassen sich alle Tees von der Pflanze Chamomilla sinensis auf japanische Art zubereiten. Kräuter- und aromatisierte Tees würde ich immer aufbrühen, also auf amerikanische Art, damit alle erwünschten Aromen aufgeschlossen werden können,“

erklärt Daniel Nitsch.

Nach 20 Minuten ist der grüne Cold-Brew-Tee fertig zum Genuss, er ist kräftig grasig-grün im Geschmack, aber tatsächlich keineswegs bitter, einfach nur lecker und erfrischend. Wobei das mit der Eigenschaft als Erfrischungsgetränk so eine Sache ist, denn der kalt aufgesetzte Tee enthält ebenso viel Koffein wie gekochter. Für Daniel Nitsch stellt Eistee eine adäquate Alternative zu konventionell gekochten Tee dar. „Ich finde es wichtig, dem Produkt die Chance zu geben, auch in dieser Form noch mal anders zu erscheinen und trotzdem zu überzeugen“, betont der Teeexperte.

Schwarztee mag es härter

Cold Brew Tee
Cold Brew Tee. Foto: Johannes

Zu guter Letzt setzt Daniel Nitsch einen Schwarztee auf, den er auf amerikanische Art zum Eistee machen möchte. Das bedeutet, dass der heiße Tee entweder über Eiswürfel oder über Eiswasser abgekühlt wird.

„Wobei auch das einen großen Unterschied macht, denn bei Eiswürfeln wird der Tee quasi abgeschreckt und kann nicht weiterziehen, während Eiswasser da wesentlich sanfter ist,“

sagt Nitsch.

Da Eistee amerikanischer Art grundsätzlich kräftiger im Geschmack ist empfiehlt Daniel Nitsch, den Tee zu süßen – sei es mit Honig, Agavensirup oder auch Läuterzucker. Zugegeben, der amerikanische Eistee vom Profi lässt sich auch ohne Zucker genießen, aber das aromatische Spektrum ist im Gegensatz zum weißen oder grünen Tee wesentlich holzig-fruchtiger durch die Gerbstoffe.

„Worauf man auch achten sollte ist der Härtegrad des Wassers. Gerade bei grünen und weißen Tees kann der Kalk im Wasser die zarten Aromen überdecken. Auf der anderen Seite verträgt ein kräftiger Schwarztee durchaus auch härteres Wasser.“

Die Erfindung des Eistees

Es gibt eine Anekdote von der Erfindung amerikanischen Eistees: Im Rekordsommer 1904 kam der Brite Richard Blechynden auf der Weltausstellung Louisiana Purchase Exposition in Saint Louis in Missouri auf die Idee, schwarzen Tee, der als Heißgetränk bei 39 Grad Außentemperatur naturgemäß floppte, eisgekühlt als Erfrischungsgetränk anzubieten, was wiederum bei den Besuchern der Ausstellung ein Volltreffer war, so dass bald umliegende Restaurants und Cafés ebenfalls Eistee anboten.

Wie man Eistee noch aufpimpen kann

Bei Eistee amerikanischer Art, aber auch bei allen anderen empfiehlt Roxana Stein, ebenfalls eine Expertin bei Paper & Tea, mit klein geschnittenen Früchten, wie Pfirsiche oder Beeren den Eistee zu verfeinern. Eine ganz eigene Delikatesse ist der Iced Matcha Latte, bei dem Matcha zusammen mit Milch/Pflanzendrink und Eiswürfeln aufgeschäumt wird. Daniel Nitsch hat auch noch eine ganz besondere Spezialität in petto: Er lässt weißen oder grünen Tee in Champagner ziehen und füllt ihn vor dem Servieren dann mit einem extra Schluck Champagner auf, das hat nicht mehr allzu viel mit Eistee zu tun ist aber bestimmt auch erfrischend und lecker.

Bei aller Erfrischung ist es aber zu überdenken, dass der Körper Energie aufwenden muss, um das kalte Getränk auf Körpertemperatur anzuheizen. Es kann also gut sein, dass man nach dem Genuss eines Kaltgetränks anfängt zu schwitzen. Deshalb trinken die Beduinen in der Wüstenhitze beispielsweise eher warmen, salbeiähnlichen Tee, der mit seiner adstringierenden Wirkung abkühlt.

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