verschiedene Eissorten in einer Eiswaffel

Es ist Eiszeit

Sommer, Sonne, Speiseeis – bei der Berlin Ice Cream Week 2022 haben sich die „Eisdealer“ gegenseitig mit verrückten, köstlichen Eiscreme-Kreationen übertroffen. Lebensmittelmagazin.de hat ein paar probiert.

37 Berliner Eisdielen von Schlachtensee bis Karow präsentierten während der Ice Cream Week vom 5. bis zum 11. Mai ihre Kreationen. Hinter dem Event stehen die Organisationen True Italian und Berlin Italian Communication. Große und kleine Eisjunkies sollen über ihre Stamm-Eisdiele hinaus das vielfältige Angebot entdecken: Italienische Klassiker wie Dulce de Lèche oder Cassata Siciliana, exotische Spezialitäten wie Matcha-Eis und natürlich die köstlich-dekadenten bis waghalsig-verrückten Eiscreme-Kompositionen wie Büffelmilcheis mit Focaccia-Stückchen, Pistazien-Pesto oder Safraneis mit Amarettopuder. Zusätzlich lockte nicht nur ein 50 Euro-Gutschein, wenn man fünf Sticker gesammelt hatte, sondern auch Reisen nach Italien, die man bei einem Instagram-Fotowettbewerb gewinnen konnte.

Eiscafé Katchi in Berlin-Charlottenburg
Katchi Ice Cream in Berlin-Charlottenburg – hier kommen Einhorn-Fans auf ihre Kosten.
Foto: Johannes S. – Lebensmittelmagazin.de

Süßer Unfall

Kurzer Exkurs: Uniteis e. V., der Verband der italienischen handwerklich arbeitenden Speiseeishersteller in Deutschland, präsentierte jüngst „Stracciatella mit Rosmarin“ als Eissorte des Jahres für Deutschland. Das ist quasi ein doppeltes Foodpairing: Milcheis, Zartbitterschokolade und Rosmarin. Der Ursprung des klassischen Stracciatellas geht auf das Jahr 1961 zurück, als der toskanische Konditor und Koch Enrico Panattoni in Bergamo ein Restaurant eröffnete. Beim Eis zum Dessertgang bot sich ihm die Möglichkeit kreativer Experimente. Während des Mischvorgangs der Sorte Fior di Latte, also Milcheis, versuchte Panattoni heiße Zartbitterschokolade hinzuzufügen. Durch das Schlagen der Mischflügel wurde die Schokolade beim Erstarren in kleine Stückchen „zerrissen“. Und woher kommt der Name? Panattoni sah in diesem Moment ein typisches Gericht der italienischen Küche vor sich: die „Stracciatella romana”. Das ist eine römische Eierflöckchensuppe, bei der eine Mischung aus verquirltem Ei und geriebenem Parmesankäse in eine herzhafte Fleischbrühe gegeben wird. Durch die Hitze verwandelt sich diese Mischung in kleine zerrissene Stückchen. Also ein ähnliches Verfahren mit umgekehrten Temperaturen. 2017 wurde die Eissorte „Stracciatella“ Teil einer kollektiven Marke, die beim Patentamt der Handelskammer von Bergamo angemeldet wurde.

Gleich ungleich gesellt sich gern

Während die Kombi „Zartbitterschokolade mit Chili“ fast schon selber ein Klassiker ist, ist Schokolade mit Brezeln oder Salzmandeln ein durchaus nicht alltägliches Wagnis. Auch die veganen Eiscremesorten wie „Kokosnuss mit Tamarinde“ hätte man vermutlich eher im thailändischen Restaurant verortet, als in der Eisdiele. Andererseits kennt man Kokosnuss mit Lakritze durchaus aus dem Fruchtgummi-Sortiment. Den Vogel abgeschossen hatte aber Katchi Ice Cream in Berlin-Mitte mit ihrem „Unicorn Breakdown„. Tatsächlich leuchtete ein fruchtiger Regenbogen-Strudel in der Kühltheke. Beim Schlecken britzelte Brausepulver auf der Zunge als Überraschung. Ein Traum für alle Einhorn-Fans. Ähnlich spektakulär, aber eine andere Zielgruppe sprach die Schwestern-Filiale in Charlottenburg mit ihrer Sorte „Umami with black sesame & fried rice chips“ an. Es entpuppte sich als Miso-Eis mit Sriracha-Sauce, dekoriert mit einem Reis-Chip. Die Konsistenz des Eises erinnerte an Softeis, die dezenten Spuren der scharfen Soße waren ein schöner Kontrast zur kalten süß-herzhaften Creme. Die konventionelle karamellig-knusprige Eiswaffel passte allerdings geschmacklich nicht wirklich dazu, im Gegensatz zum Reis-Chip. Wer es nicht nur kalt, sondern etwas „chilliger“ mag, sollte nach Lichterfelde fahren, um CBD-Eis mit karamellisierten Kokosstückchen zu genießen.

Herausfordernd

Wie in der Gastronomie insgesamt, so wirft die gegenwärtige Situation nach dem Corona-Lockdown ihre Schatten über die Ice Cream Week. In vielen Eiscafés hingen Stellenausschreibungen und Mitarbeiter:innengesuche in den Schaufenstern neben dem Eingang. Dies scheint nicht nur die reinen Eiscafés zu betreffen, sondern, wie sich auf Nachfrage herausstellt, durchaus auch die Eis-Manufakturen. So erhielt die eine besuchte Eisdiele nur die Hälfte der bestellten Menge – 60 statt 120 Liter Eiscreme. Bei der anderen Eisdiele war dann gar vom „Produktionsausfall“ die Rede. Die Eisverkäufer:innen nahmen es sportlich und trösteten im Zweifelsfall mit alternativen Eissorten. Umso schöner war es, wenn man dann ein besonderes Eis in der Sonne genießen konnte. Der subjektive Gewinner der diesjährigen Ice Cream Week ist „Bitter Pink – Pink Grapefruit mit Enzian, Chinarinde und Rhabarber“. Ein festes, aber zart schmelzendes Sorbet, das wie der Kindereisklassiker Capri-Eis schmeckt, allerdings für Erwachsene. Es stammt aus der Kreuzberger Eisdiele Zagara, die bereits im vergangenen Jahr mit ihrem Spinat-Bananeneis geschmacklich das Herz des Autors gewonnen hatten.

Artikel-Teaserbild (oben): kristina rütten – stock.adobe.com

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

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