Birnen

Und kam die goldene Herbsteszeit: Birnen aus Ribbeck

Keine 50 Kilometer von Berlin entfernt steht der bekannteste Birnbaum Deutschlands. lebensmittelmagazin.de ist zum Ribbeck auf Ribbeck im Havelland gefahren.

Kirchhof in Ribbeck mit Birnbäumen
Kirchhof in Ribbeck mit Birnbäumen und Glockenturm, wie im bekannten Gedicht:
„Und kam die goldene Herbsteszeit / Und die Birnen leuchteten weit und breit, / Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl, / Der von Ribbeck sich beide Taschen voll“.
Foto: Johannes/lebensmittelmagazin.de

Wind rauscht in den Blättern. Wispert es nicht tatsächlich: „Junge, wiste ’ne Beer?“ Es sind nicht viele Birnen in der Baumkrone im Kirchhof dieses Jahr. Die Blätter sind schon braun gefärbt. 1911 wurde an dieser Stelle ein neuer Birnbaum gepflanzt, nachdem ein Unwetter den uralten Birnbaum zerstört hatte. Dessen Stumpf lässt sich heute im Chortreppenhaus bewundern.

Stumpf des historischen Birnbaums in Ribbeck
Stumpf des historischen Birnbaums im Chortreppenhaus in Ribbeck.
Foto: Johannes/lebensmittelmagazin.de

Schloss Ribbeck lockt die Besucher

Vis-à-vis liegt das herrschaftliche Anwesen von Schloss Ribbeck mit seinem berühmten Birnengarten, in dem Birnenbäume aus allen Bundesländern wachsen. Einst Sitz der Familie Ribbeck, beherbergt es heute eins der besten Restaurants der Region, neben Museum, Geschäft und Eventlocation. Frank Wasser ist hier Geschäftsführer und Hausherr. Inzwischen avanciert das Schloss als kulturtouristisches Zentrum in der Region. In den Sälen und Salons finden Konzerte statt, bisweilen spielt hier Justus Frantz Klavier oder Iris Berben hält eine Lesung. Im Birnengarten spielte bereits Münchner Freiheit vor 1.500 Gästen. Und auch Effi Briest wurde hier schon im Rahmen der Schlossfestspiele aufgeführt.

Schloss Ribbeck
Schloss Ribbeck.
Foto: Johannes/lebensmittelmagazin.de

Birnenküche im Fontanejahr

In der Restaurantküche kocht Enrico Schulze zur Freude und Anerkennung von Falstaff, Guide Michelin und Co. – selbstverständlich mit Akzent auf Birnen, dem Haus quasi verpflichtet. Durchaus eine Herausforderung: „Durch die mangelnde Säure hat die Birne keinen starken Eigengeschmack. Man muss wissen, wie man diesen zur Geltung bringt“, sagt Schulze und ergänzt:

„An Birne kommt man dieses Fontanejahr quasi nicht vorbei, definitiv ein Trendobst!“

Das meistgefragte Gericht sei die Kalbsleber Ribbecker Art mit Birne statt Apfel, die das ganze Jahr auf der Karte stünde. Der von der Familie von Ribbeck gegärte Birnenbalsamessig findet seinen Weg ins Salatdressing und die garteneigenen Birnen werden zusammen mit Speck im Risotto zum Schwein serviert. Trotz kurzer Saison gibt es Birne das ganze Jahr über: „Die harten Sorten lassen sich ähnlich wie Kartoffeln sehr gut einlagern. Und jetzt im Sommer wecken wir auch viel ein, um im Winter darauf zurückzugreifen“, erklärt der Koch.

Das Vermächtnis der Preiselbeerbirne

Seine kulinarischen Experimente testet Enrico Schulze gerne bei großen Gesellschaften aus, sei es das Süßkartoffel-Birnen-Püree mit getrüffeltem Kohl oder die Quitten-Birnen-Soße zum Wild. So wurden schon Rezepte eines 150 Jahre alten Kochbuches zum Literaturmahl modern interpretiert. Ein Geheimnis, das vielleicht besser hätte eins bleiben sollen, wurde in dem Zusammenhang gelüftet: Was ist eine klassischere Beilage zu Wild als die Preiselbeerebirne? Schuld sei die frühere Vorliebe für abgehangenes Wild. Je länger es hing, umso mehr entwickelte sich der Hautgout, der wildeigene streng-süße Geruch, der als Qualitätskennzeichen galt. Dem entgegen sollte die aromatische Preiselbeerbirne parfümieren. „Auch wenn die Preiselbeerbirne nach wie vor geschätzt wird, ist diese Praxis lange vorbei“, so der Schlossherr.

Wildbret mit Preiselbeerbirne
Wildbret mit Preiselbeerbirne (Beispielbild).
Foto: exclusive-design/stock.adobe.com

Für das Geschäft von Schloss Ribbeck produzieren sie Birnensenf, Birnenlikör und -brand aus den Birnen der Region. „Außerdem haben wir den Birnenbalsamessig, der in der Essigbrennerei des alten Herrn von Ribbeck produziert wird.“

Und kam die trockene Sommerzeit

Im aufwendig gestalteten Schlossmuseum bekommt der Besucher Einblicke in die Geschichte des Schlosses und der Region, aber auch über die Familie Ribbeck und nicht zuletzt zu Theodor Fontane. Direkt nach dem Eintreten überrascht eine gigantische Riesenbirne, reingequetscht im Korridor, den Besucher. Diese entpuppt sich dann beim Durchgang als schallschluckend gepolsterte Medienstation, die dazu einlädt, auf Tablets Fontaneverfilmungen zu schauen.

Riesenbirne im Museum von Schloss Ribbeck
Riesenbirne im Museum von Schloss Ribbeck.
Foto: Johannes/lebensmittelmagazin.de

Vom Balkon im ersten Stock genießt man eine wunderschöne Aussicht über den Birnengarten. Auf den zweiten Blick sieht man allerdings auch, wie viele Bäume innerhalb des Sichtfelds schon herbstlich braun wie im Oktober gefärbt sind. „Das kommt von der Dürre, meine 200 Jahre alte Linde wirft deswegen schon die Äste ab. Hier in der Region ist momentan Gartenwässerung verboten wegen der Trockenheit. Nur zwischen 9 Uhr abends und 6 Uhr morgens darf bewässert werden, ansonsten droht eine Geldstrafe bis zu 50.000 Euro.“, berichtet Frank Wasser. Und sie merken es auch am Obst:

„Früher bekamen 150 Kilogramm Birnen in etwa die gleiche Menge Saft. Dieses Jahr müssen wir uns mit 112 Litern begnügen.“

– Trockenheit: Wie es mit der Kartoffelernte 2019 aussieht. liest du hier. –

Mehr als ein Gedicht

Die Ballade des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland ist ein weltweites Phänomen, nicht nur im deutschsprachigen Raum. Bundesweit dürfen die Schüler von Herrn Ribbeck und seinen Birnen lesen und bisweilen auswendig lernen. „Aber nicht nur das, wir hatten mal eine Auszubildende, die hat uns den Ribbeck aus Japan mitgebracht und ich selber habe ihn schon auf Koreanisch gehört“, erzählt der Hausherr voller Stolz:

„Der Zauber, den das Gedicht ausstrahlt, beruht auf seiner Güte und Herzlichkeit aber im ganz Einfachen.“

Frank Wasser, Geschäftsführer der Schloss Ribbeck GmbH
Birnenbaum mit reifen Birnen
Birnenbaum mit reifen Birnen.
Foto: biggi62 – stock.adobe.com

Artikelfoto (oben): yamix – stock.adobe.com

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