Hanukkah-Dinner

Hanukkah: Das Wunder voll Fett feiern

Heute beginnt Hanukkah, das 8 Tage dauernde jüdische Lichterfest. Worum es dabei geht und welche Köstlichkeiten auf den Tisch kommen, zeigen wir hier.

Wenn Heiligabend in deutschen Wohnstuben zwischen Oh Tannenbaum und Stille Nacht, Heilige Nacht Georg Friedrich Händels Tochter Zion, freue dich erklingt, so bezieht sich dies eigentlich auf ein anderes Fest als Weihnachten. Denn Händels Oratorium Judas Makkabäus‘, handelt von der Legende, auf der das jüdische Fest Hanukkah beruht:

Wir befinden uns im Jahre 164 v. Chr. Ganz Jerusalem ist von den Griechen besetzt… Ganz Jerusalem? Nein! Die unbeugsamen Söhne des Hohepriesters Mattathias unter der Führung von Judäus Makkabäus hören nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Der griechische König Antiochus infiltrierte und zwang die jüdische Bevölkerung von Jerusalem zum Kult seines Pantheons. „Dazu ließ er den Tempel von Jerusalem entweihen, indem er beispielsweise nicht koschere Tiere im Tempel schlachten lies“, erklärt Israel Meller, Sekretär der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD). Judäus Makkabäus und seinen Brüdern gelang die Rückeroberung des Tempels und sie schickten sich an, den Tempel zu reinigen und für den Tempeldienst wieder herzurichten.

8 Tage Licht

„Um das ewige Licht mit Öl zu befüllen fand sich lediglich noch ein kleiner versiegelter Krug gesegnetes Olivenöl für Lampen, die Menge mochte lediglich für einen Tag reichen. Die Produktionzeit für weiteres Öl hätte 8 Tage gedauert.“ Aber das Öl reichte doch für genau 8 Tage.

Nachdem die Juden die Griechen erfolgreich geschlagen und vertrieben hatten gab es genug Grund, dies zu feiern. „Hannukah bedeutet Weihe, Wiedereinweihung. Es ist das Fest der Befreiung.“

Das Datum

Das Hanukkah-Datum oszilliert jährlich zwischen Anfang und Ende Dezember in der dunklen Jahreszeit. Im Gegensatz zur solaren gregorianischen Zeitrechnung orientiert sich die jüdische ähnlich der islamischen Zeitrechnung am Mond. Während die islamischen Feiertage aber wandern, werden in der jüdischen Zeitrechnung in 19 Jahren 7 Schaltjahre mit je einem zusätzlichen Monat von 29 Tagen eingefügt.

Wenn die Lichter strahlen

„Hanukkah ist ein Fest, wie alle jüdische Feiertage, das im Zentrum der Familie steht und auch durch den Magen geht“, schwärmt Israel Meller. „Während aber die von der Tora vorgegebenen Feiertage durch die Feiertagsgebote, den Sabbatgesetzen ähnlich, die Menschen zur Ruhe bringen, gelten diese Gesetze zu Hanukkah nicht.“ Tagsüber geht man normal arbeiten und spätnachmittags treffen sich Familie und Freunde zum gemeinsamen Feiern.

In der Zeit der Dämmerung, nach dem Abendgebet versammelt man sich, um gemeinsam die Hannukia unter Segenssprüchen zu entzünden. Im Gegensatz zur Menora in der Synagoge, die mit ihrem sieben Armen die 7 Tage der Schöpfungsgeschichte symbolisiert, hat die Hannukia 8 Arme, sowie einen zusätzlichen Kerzenhalter für die Dienerkerze, Shamash genannt. Mit ihr wird jeden Tag eine Kerze mehr entzündet, im Gedenken an das 8-tägige Ölwunder.

Chanukkaleuchter
Chanukkia: 8- bzw. 9-armiger Leuchter zu Hanukkah.
Foto: Lightfield Studios – stock.adobe.com

Der Leuchter soll nach außen weithin sichtbar aufgestellt werden, um Licht in die Dunkelheit zu bringen. „Normalerweise nimmt man dafür das Fensterbrett im Wohnzimmer“, so Meller. „Es ist aber durchaus üblich, beispielsweise in Israel, in den Hauseingängen eine Hannukia auf dem Postkasten zustellen oder gemeinsam mit Freunden direkt auf der Straße eine zu entzünden. Das sieht dann wunderschön aus, wenn es überall erstrahlt!“

Ein Fest der Familie

Die Kinder bekommen zu Hanukkah Geschenke, traditionell Geld oder je nach Situation, Gold- und Silbergeschenke, „nicht wie heute üblich eine PS4“ (oder PS5).

Um sich während der 8 Abende miteinander zu beschäftigen, spielt man traditionell mit dem Trendl. Das ist ein vierseitiger Kreisel, auf dessen vier Seiten die hebräischen Buchstaben Nun, Gimel, He, Schin stellvertretend für Nes gadol haja scham (ein großes Wunder geschah dort) stehen. Man spielt um Münzen, Jetons und Süßigkeiten.

Trendl
Trendl.
Foto: Rita Kapitulski – stock.adobe.com

Fettige Köstlichkeiten

Kein jüdisches Fest ohne opulente Speisenfolge: „Wir rollen uns durch die Feiertage“, lacht Israel Meller. Zu Hanukkah entspricht dies meist einem späten Kaffeetrinken und frühen Abendessen. „Auch das Essen soll an das Öl erinnern.“ Traditionell gebe es Krapfen, mit Marmelade oder Schokolade gefüllt, und dick mit Puderzucker bestäubt. Oder Reibekuchen, Latkes genannt, klassisch mit Apfelmus. „Man kann sie auch schick mit Sauerrahm und Räucherlachs essen. Hier im Rheinland sind auch Mutzenmandeln, in Fett ausgebackenes Mürbeteiggebäck, beliebt“. Dazu Kaffee oder Tee, später gibt es ein Glas Sekt oder eine gute Flasche Wein, vielleicht auch der eine oder andere Whisky.

Latkes
Leckere Latkes.
Foto: Jerry Deutsch – stock.adobe.com

„Genuss ist sehr wichtig für uns, üppig, mit Vorspeisen, großen Braten, Beilagen, Zwischengängen und Dessert und wenn man glaubt man ist fertig und es passt nichts mehr rein, wartet nebenan im Salon noch eine Torte und eine Obstplatte – aber man kann nicht sagen, dass an jüdischen Feiertagen ausufernd Alkohol fließt. Außer an Purim, wo man angehalten ist, soviel Wein zu trinken, bis man nicht mehr Gut von Böse unterscheiden kann“, erklärt Meller. „Zum Wein passen dann besser deftige Speisen wie knusprige Falafel, Kubbeh, mit Fleisch gefüllte Bulgurklöße. Ich habe aber auch schon kreative Eigenkreationen erlebt, wie Datteln im Brandteig – Hauptsache lecker fettig!

[Was in Deutschland an Weihnachten auf den Tisch kommt, liest du hier.]

Hanukkah dieses Jahr

Dieses Jahr 2020 ist die Sachlage bedingt durch COVID-19 vollkommen anders. „Hier in Nordrhein-Westfalen dürfen sich maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten treffen. Es wird also keine großen Treffen in Gemeindesälen geben. Es dürfte für 100.000 Menschen in Deutschland einige Hannukahfeiern per Zoom geben, wie wir schon Pessach gefeiert haben im Frühjahr.“

Wie ist es mit der Freiheit der Religionsausübung, die die Möglichkeit bietet, Wege in dieser Zeit zu finden, den Glauben in der Gemeinschaft auszuleben? „Im Judentum haben wir Pikuach Nefesh, das bedeutet wörtlich übersetzt Seelenrettung, bedeutet aber im übertragenen Sinne Rettung der Gesundheit. Wir sagen in den Gemeinden: ‚Bleibt lieber zu Hause und betet dort‘. Im Gegenzug wurden beispielsweise Tablets für jüdische Altenheime organisiert, damit die Seniorinnen und Senioren den Kontakt halten können oder auch zum Beispiel Einkaufshilfe erhalten.“

Happy Hannukah, Channuka sameach, im Gedenken an das Wunder und ‚Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist‘ (David ben Gurion, Staatsgründer Israels)

Haupt-Beitragsbild (oben): Kalim – stock.adobe.com

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk, Nachhaltigkeit und Trends – von etablierten Unternehmen bis zu jungen Startups. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.