Döner Kebap in Berlin (Symbolbild).

Der beste Döner Berlins

Des Einen Grundnahrungsmittel, des Anderen geheimes Laster – Döner Kebab. Das Fastfood mit türkischen Wurzeln ist längst im Kanon deutscher Küche festverankert. lebensmittelmagazin.de hat sich im Dönerepizentrum Berlin auf die Suche begeben.

Den besten Döner aus der Erinnerung gab es am Eingang des ägyptischen Basars in Istanbul. Ein kleines Brötchen, sachte auseinandergerissen, mit Fleisch gefüllt, ein paar Tomatenscheiben, Petersilie, türkische Chiliflocken „Pul Biber“ und ein paar Spritzer Zitronensaft, so schlicht, so köstlich!

Professor Peter Heine, langjähriger Leiter des Instituts für Asien- und Afrikawissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und Autor des Buches Köstlicher Orient ist hier Fachmann für Döner Kebab als Inbegriff türkischen Streetfoods. „Der Döner Kebab ist als aufrechtdrehender Fleischspieß Ende des 19. Jahrhunderts in der Türkei erfunden worden und hat sich von dort aus im Osmanischen Reich ausgebreitet und sich als Schawarma im Irak, Syrien, Libanon und Palästina als Streetfood etabliert. Interessanterweise nicht in Nordafrika, jenseits von Ägypten und Libyen.“

Der erste Döner in Deutschland

Nach Deutschland sei der Döner zeitgleich mit dem Gyros im Zuge der Gastarbeiterwelle Mitte der 1970er Jahre gekommen. „Das erste Restaurant, das angeblich in Deutschland den ersten Döner servierte war das Restaurant Istanbul in Ku’damm-Nähe, das es auch noch viele Jahre lang gab.“ Zunächst sei hier der Döner Kebab im Restaurant als Tellergericht mit Pommes frites oder Reis und Salat als Beilage serviert worden. „Wer als erster den Döner in einer Teigtasche anbot, ist umstritten. In dünnes arabisches Brot, Khubs, zusammen mit kleingeschnittenem Gemüse gewickelt, habe ich es schon in den 70er Jahren in Beirut gegessen. Dafür, dass Döner-Kebab ein Streetfood-Gericht ist, spricht auch meine Beobachtung, dass ich in Kochbüchern, die sich an bürgerliche Haushalte richtet, bislang kein Rezept für Döner Kebab gefunden habe, außer in einem emiratischen Kochbuch von 1987; wer hat schon einen solchen Grill mit Drehspieß zu Hause?“

Das Brot macht den Unterschied

Der offensichtlichste Unterschied zwischen orientalischem Schawarma und „deutschem Döner“ sei das Brot. Arabisches Brot, Khubs, das bei arabischem Essen auch als Ersatz für einen Löffel verwendet wird, müsse man in Deutschland erst suchen. Pide, das große, runde Fladenbrot, ist in dem Sinne eine Erfindung der Almanci in Deutschland.

Vom Osmanischen Ursprung zum Ananassirup

„Der Döner Kebab wurde im Laufe der Jahre dem deutschen Geschmack angeglichen. Das ging so weit, dass mit Fruchtsäften und ähnlichem, beispielsweise Ananassirup, die Marinade fürs Fleisch angereichert wurde. Das ist von Leuten entwickelt worden, die sich mit dem deutschen Gusto auskennen, Köche. Da zunächst Hammelfleisch verwendet wurde, fand man so eine Möglichkeit, den spezifischen Geruch zu überdecken. Außerdem mögen Deutsche es süßer. Inzwischen besteht das Fleisch meistens aus Hühnchen mit Rinderhack.“

Wenn deutsche Touristen in der Türkei nach Döner Kebab fragen, und sie das authentische ursprüngliche Gericht erhielten, sei das oft nicht nach ihrem Geschmack. So kam der „deutsche Döner“ als Reimport in die Türkei, besonders in die Touristenhochburgen wieder zurück. In spanischen Urlaubsorten wird Döner, zusammen mit Eisbein, als deutsche Küche angeboten und auch in Polen an der Ostsee gäbe es inzwischen Döner.

Drehspieß oder Brottasche?

Eine ebenfalls sehr deutsche Eigenheit des Döner Kebabs seien die Soßen, standardmäßig Knoblauch/Scharf/Kräuter. „Das würde man in der Türkei so nicht essen“, sagt der Dönerexperte, „auch wenn ich sonst kein Fastfood esse, für mich darf der Döner Kebab Lammfleisch mit gerösteten Zwiebeln eingewickelt in rauchig-würzigem Khubs sein.“

Zwiebeln sind beim Döner Kebab auch ein polarisierendes Thema – meistens doch entweder ohne oder extra viel, dazwischen gibt es nichts. „Zwiebelringe wären nicht osmanisch, denn das war die Küche des gehobenen Bürgertums.“ Der Islamwissenschaftprofessor resümiert: „Im Laufe der Zeit hat der Döner Kebab eine Begriffsveränderung erfahren. Vom osmanischen drehenden Grillspieß hin zu ‚etwas, das in einer Teigtasche serviert wird‘“.

Dabei denkt er an die Touristenattraktion Mustafas Gemüse-Kebab am Mehringdamm, vor dem sich kontinuierlich ewig lange Schlangen dieser „Adventurous Eaters“ bilden, einem Eintrag im populären Reiseführer Lonely Planet sei Dank. „Ich habe da was von veganem Kebab gelesen – das muss man sich mal vorstellen!“

Auf der Jagd nach dem besten Döner

Wo gibt es aber den besten Döner Kebab der Stadt? Die einschlägigen Internetseiten mit Favoritenlisten verweisen auf diverse Restaurants, denen teilweise die Historie der Google-Bewertungen Qualitätsschwankungen bescheinigt. Online-Recherche ist vielleicht nicht der beste Weg, um fündig zu werden. Der aus Izmir in der Türkei stammende Gourmet im Freundeskreis verweigert beispielsweise aber prinzipiell Döner Kebab in Berlin. Grund dafür mag die Diskrepanz zu den Kebab-Sandwiches seiner Kindheit sein. Viel gegrilltes Fleisch, etwas Tomatensoße alles zusammen in kleinen schiffchenförmigen Brötchen, erinnert er sich, köstliche Vorstellung, bei der das Wasser im Munde zusammenläuft.

Dafür entpuppt sich ein anderer Freund als hervorragende Quelle im WhatsApp-Chat:

„Hisar – YorckStr. Number 1!!

Zaddys Döner am Zoo, mit Volkorndönerbrot.“

Das klingt schon hervorragend. Die nächste WhatsApp-Nachricht lässt aber noch mehr aufhorchen:

„Es gibt noch einen Döner der ganz anders ist – da ist das Fleisch wirkliches Fleisch! Nicht so eine Döner-Mischung! Imren, Kottbusser Damm; am besten isst man dort Lahmacun (türkische Pizza) gefüllt mit Dönerfleisch von Imren.“

Das klingt doch vielversprechend nach dem besten Döner von Berlin!

Die Qualitätskontrolle

Tags drauf, mit der Tochter im Schlepptau, kommt auf halber Strecke zwischen Kottbusser Brücke und Hermannplatz einer ihrer Freunde mit seinem Vater entgegen. Auf die Aussage, gleich den besten Döner Berlins zu essen, nickt der Vater und fragt zur Bestätigung „Imren?“

Hier am Kottbusser Damm, der auf der Grenze zwischen Neukölln und Kreuzberg verläuft, ist die Dönerbuden-Frequenz schon deutlich höher als am Checkpoint Charlie, aber noch nicht ganz so hoch wie in der Sonnenallee. Die Dönerbude Imren Grill ist von außen unauffällig. Der Döner-Kebab-Spieß dreht sich gemächlich vor dem Fenster. Tatsächlich lässt sich aber erkennen, dass hier Fleischscheibe auf Fleischscheibe liegt.

Kebabspieß
Kebabspieß in der Außenansicht.
Foto: Johannes S. – lebensmittemagazin.de

„Döner Kebab, bitte!“ – „mit Soße, Zwiebeln und allem Salat?“ – „ohne Soße, bitte“. Die Frage, ob das Fleisch und das Brot hausgemacht seien, bestätigt der Dönerverkäufer freundlich.

Zusammen mit einer Dose türkischer Zitronenlimonade wird der Döner am Rande eines nahegelegenen Spielplatzes auf der Parkbank verzehrt. Die Tatsache, dass die vierjährige, ziemlich dönerunerfahrene Tochter reinbeißt, bevor die ersten Foodfotos entstehen können, und ihre naturgemäße Zurückhaltung gegenüber neuen Lebensmitteln fallen lässt, sind objektiv und signifikant für die Qualität.

Döner von Imren-Grill.
Zum Reinbeißen: Döner von Imren-Grill. Ist es der beste in Berlin?
Foto: Johannes S. – lebensmittelmagazin.de

Wie erfreulich ist der angenehm präsente, saftige, leicht mit etwas Zimt gewürzte Kalbsgeschmack, abgerundet mit frischem Salat und ein bisschen Zwiebelschärfe, das Ganze in leckerem krossen Brot. Definitiv ist der beste Döner Kebab von Berlin – so lecker, dass man sich noch einen zweiten holen könnte. Noch was: Ein Bekannter kommentierte das auf Instagram gepostete Foodfoto vom Döner-Kebab:

„hoffe doch komplett mit alles und Knoblauch scharf! (Das Fleisch sieht übrigens Döner-untypisch gut aus – Imren Grill?)“

[Mehr Artikel über Kulinarisches in Berlin findest du hier.]

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

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