Produktgruppe Getreide und Cerealien von Peter Koelln

Koellnflocken: Blütenzart mit 200 Jahren

Haferfabrikant Peter Kölln feiert in diesem Jahr 200. Geburtstag. Wir haben mit Unternehmenssprecherin Birgit Zonnev auf die Geschichte und in die Zukunft geblickt.

1820 übernahm Peter Koelln die pferdbetriebe Grützmühle seiner Eltern. Die Umstellung auf Dampfbetrieb und der Einstieg in den Getreidegroßhandel machten das Unternehmen in den folgenden Jahren zu einem der größten Haferverarbeiter Europas.

Das bekannteste Produkt der Peter Kölln-Unternehmensgruppe ist und bleibt die Haferflocke, für die man schon 1937 die geschützte Bezeichnung „Blütenzarte Köllnflocken“ einführte. Inzwischen kommen von Kölln viele weitere Produkte wie Müslis, Porridge und Pflanzenöle.

Kölln im Jubiläumsinterview

Berit Zonnev ist Unternehmenssprecherin von Peter Koelln und beantwortet die drängendsten Fragen von lebensmittelmagazin.de.

lebensmittelmagazin.de: Frau Zonnev, das Unternehmen Peter Kölln begeht dieses Jahr seinen 200. Geburtstag. Wie feiern Sie unter Corona-Bedingungen?

BZ: Leider hat uns der Ausbruch der Corona-Pandemie einen dicken Strich durch unsere Jubiläumsfeierlichkeiten gemacht. Geplant war ein großes Fest im August, das wir selbstverständlich abgesagt haben. Stattdessen haben wir uns verschiedene Aktionen überlegt, wie wir mit unseren Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern unser Jubiläum zumindest ein wenig würdigen können. Statt eines großen Festes gibt es mehrere kleine Ansätze, mit denen wir ganz unterschiedliche Gruppen ansprechen. So haben wir zum Beispiel gerade eine Jubiläumsrallye in Elmshorn abgeschlossen und planen derzeit eine Ausstellung zusammen mit der Stadt, in der unsere Firmengeschichte dargestellt werden soll. Für unsere Mitarbeiter gibt es auch die eine oder andere Überraschung, die wir an dieser Stelle aber noch nicht verraten möchten.

Berit Zonnev, Unternehmenskommunikation Peter Koelln
Berit Zonnev, Unternehmenssprecherin von Peter Koelln

Und für unsere Kunden haben wir 2020 unsere zwei Jubiläums-Müslis in einer Sonderedition auf den Markt gebracht: Kölln Knusper Müsli Beere & Schoko und Kölln Knusper Müsli  Nuss & Schoko. Des weiteren kommen unsere Flaggschiffe Blütenzarte Köllnflocken und Echte Kölln Kernige in einer Retro-Ausstattung daher. Auf den Pergamintüten finden die Köllnflocken-Fans wahre Klassiker der Backkunst; sie führen uns in die 1950er, 1960er und 1970er Jahre zurück.

lebensmittelmagazin.de: Würden uns die Köllnflocken von 1820 heute genauso gut schmecken wie jene von 2020? Gibt es da mit 200 Jahren Abstand betrachtet Unterschiede in Beschaffenheit, Qualität oder Geschmack?

BZ: Vor 200 Jahren gab es noch keine Dampfmaschinen in der Müllerei, die erst die Verarbeitung und Herstellung von haltbaren und schmackhaften Haferflocken ermöglicht haben. Durch die stetige Weiterentwicklung der Hafersorten in der Züchtung – wir unterscheiden heute z.B. zwischen Futterhafer und Schälmühlen-Hafer-Qualitäten – und der Mühlen-Technologie, wie etwa digitale Farbsortierung, unterscheiden sich die heutigen Köllnflocken sicher von den damaligen. Hinzu kommt natürlich auch, dass sich die Anforderungen an ein hochwertiges Lebensmittel durch unsere Kundenwünsche, Gesetze und Verordnungen stark verändert haben. Man darf ja auch nicht vergessen, dass wir heute unsere Haferspezialitäten für die gesunde Ernährung mit Genuss entwickeln.

„Früher, vor 200 Jahren, war Hafer ein Getreide für eher arme Leute, um satt zu werden. Damals hatten jegliche Mühlenbetriebe noch nicht den Anspruch, ein qualitativ hochwertiges Produkt herzustellen.“

Berit Zonnev, Unternehmenssprecherin von Peter Koelln

lebensmittelmagazin.de: Hat sich der Ausbruch von Covid-19 eigentlich auf das Geschäft mit Frühstückscerealien ausgewirkt, zum Beispiel weil Haferflocken gehamstert wurden oder die Menschen im Homeoffice jetzt ausgiebiger frühstücken?

BZ: Natürlich haben sich die ersten Wochen der Hamsterkäufe auch bei uns bemerkbar gemacht, und wir hatten alle Hände damit zu tun, die Produktion und Lieferketten aufrecht zu erhalten. Und wie bei den meisten unserer Mitbewerber auch, wurden in den Folgewochen weniger Produkte aus unserem Haus gekauft. Wir hatten zu Beginn der Coronakrise also einen großen Spagat zu bewerkstelligen, der uns dank der großartigen Unterstützung unserer Mitarbeiter gut gelungen ist.

Die Peter-Kölln-Unternehmenszentrale in Elsmhorn.

lebensmittelmagazin.de: Ist es richtig, dass in Deutschland so viel Hafer gegessen wird, dass Köllnflocken ihn aus Skandinavien und anderen Ländern importieren muss? Worauf achten Sie dabei?

BZ: Ja, das stimmt: Wir importieren derzeit einen Großteil unseres Hafers aus Finnland. Wir von Peter Kölln engagieren uns allerdings seit Jahren für den deutschen Hafervertragsanbau und haben das Ziel, ab 2022 mindestens 30 Prozent unseres konventionellen Haferaufkommens aus Deutschland zu beziehen. Den Hafer für unsere Bio-Produkte kaufen wir übrigens jetzt schon zu 100 Prozent aus kontrolliertem norddeutschen Anbau ein.

lebensmittelmagazin.de: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Haferflocken und Porridge, das gerade so sehr im Trend liegt? Hat Peter Kölln in diesem Segment auch etwas anzubieten?

BZ: Eine klassische Verwendung von Haferflocken ist die Zubereitung von Porridge. Als gekochter Haferbrei hat Porridge eine lange Tradition, klassischerweise wurde er mit Blütenzarten Köllnflocken und Wasser bzw. Milch zubereitet.

Mit der Rückbesinnung auf pure Lebensmittel erlebt Porridge seit einigen Jahren eine Renaissance, wobei er zugleich das Ansehen einer ebenso kreativen wie leicht zu individualisierenden Mahlzeit hat. Der Markt für fertige Porridge-Mischungen ist ein Segment mit vielen Marktteilnehmern und starker Dynamik. Käufer sind überwiegend junge Verbraucher und Familien. Alle Porridge-Mischungen von Kölln basieren auf Blütenzarten Köllnflocken sowie Kölln Instant Flocken und schmecken deshalb ganz besonders cremig. Sie haben natürliche und hochwertige Rezepturen, die weder Aromen noch zugesetztes Salz enthalten. Bei unseren fünf Sorten findet jeder bestimmt „sein“ Lieblings-Porridge, das nach Herzenslust weiter verfeinert und jeden Tag neu variiert werden kann. Außerdem sind sie kalt & warm zu genießen. Der Relaunch des Kölln Porridge-Sortiments im Frühjahr 2019 hat die Marktposition deutlich gestärkt – Peter Kölln ist jetzt Marktführer.  

lebensmittelmagazin.de: Sind auch heute noch Köllnflocken das wichtigste Produkt bei Peter Köllln oder haben ihnen inzwischen andere Lebensmittel den Rang abgelaufen?

BZ: Blütenzarten Köllnflocken und Echte Kölln Kernige sind nach wie vor die Flaggschiffe der Marke Kölln und Bestandteil anderer Produktkonzepte wie zum Beispiel Kölln Müsli. Allerdings haben wir mit unseren Müsli-Sortiment, bestehend aus den beiden Segmenten Haferflocken-Müslis und Hafer-Knusper-Müslis, ebenfalls ein dickes Pfund in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels stehen – schließlich sind wir in diesem Segment Marktführer. Derzeit erkennen wir zudem, dass die Verbraucher verstärkt auch zu unseren Porridge-Produkten greifen. Hafer insgesamt ist ein echter Megatrend im Food-Segment und erfreut sich somit weiterhin einer sehr großen Beliebtheit.

lebensmittelmagazin.de: In der Kategorie Müslis fällt Peter Kölln immer wieder durch originelle Sorten auf wie Knuspermüsli Schoko-Minze oder Mango-Kurkuma. Wie groß ist eigentlich ihre Entwicklungsabteilung? Und wer kommt auf diese ungewöhnlichen Mischungen?

BZ: Bei Peter Kölln arbeiten vier Personen – Ökotrophologen und Lebensmitteltechnologen – an unseren Produktentwicklungen und Innovationen. Die Ideen kommen aus allen Bereichen des Hauses und sind das Ergebnis unserer gut aufgestellten, interdisziplinären Projektarbeit.

lebensmittelmagazin.de: Viele Lebensmittelhersteller haben heute Flagship-Stores, in denen sie ihre Produkte und Fanartikel anbieten. Aber Peter Kölln hat mit dem „Haferland“-Café in Hamburg und auf Sylt ganz besondere Genussorte geschaffen. Was kann man da erleben?

BZ: Im Kölln Haferland in Hamburg kommen Kölln-Fans aus ganz Deutschland voll auf Ihre Kosten, sie können die Marke Kölln in einem dreidimensionalen Raum erleben: ihre Tradition, ihre Modernität, ihre Vielseitigkeit. So gibt es eine Hafer-Müsli-Mischstation, bei der sich unsere Gäste ihr ganz persönliches Kölln-Müsli zusammenstellen und anschließend personalisiert etikettieren können. In unserer gläsernen Manufaktur werden täglich frisch viele Haferspezialitäten hergestellt. Lecker belegte Haferbrötchen, Hafer-Wraps oder ein heißes Porridge am Morgen; zum Mittag die Suppe des Tages, vegane Hafer-Buletten oder jetzt zur Kürbiszeit eine köstliche Tarte.

Am Nachmittag wird dann das Kuchen-Buffet eröffnet. Und auch hier sind es die Köllnflocken, mit denen unser Bäcker seinen Werken den nussigen Geschmack und den Vollkorn-Charakter gibt. Bei unseren zugekauften Waren achten wir darauf, mit regionalen Lieferanten und Kooperationspartnern zusammen zu arbeiten. Und ein kleiner Tipp am Rande: Es gibt in den Flagshipstores exklusive Mischungen, die im Lebensmitteleinzelhandel nicht erhältlich sind, z.B. die „Sylter Mischung“ oder das Landhaus-Proviant.  Vor der Corona-Pandemie hatten wir auch verschiedene Workshops rund um das Thema Hafer‘ angeboten, aber diese müssen leider aufgrund der aktuellen Situation vorerst ruhen.

Die Jubiläums-Müslis zum 200. Geburtstag von Peter Koelln: Beere undweiße Schokolade sowie Nuss und Schokolade.
Die Jubiläums-Müslis zum 200. Geburtstag von Peter Koelln: Beere undweiße Schokolade sowie Nuss und Schokolade.

lebensmittelmagazin.de: Die Zeitschrift „Brigitte“ empfiehlt ihren Leserinnen: Essen sie ab 40 häufig Haferflocken, weil sie lange satt machen, viel Vitamin B enthalten und gut für die Verdauung sind. Gibt es überhaupt etwas, das gegen Haferflocken spricht?

BZ: Nein, im Gegenteil! Wir gehen davon aus, dass mit dem Trend zu pflanzenbetonter Ernährung auch der Verzehr von Hafer-Produkten und insbesondere Haferflocken weiter wächst. Haferflocken sind immer aus dem vollen Korn, schmeckt nicht nur klassisch in Müsli & Co., sondern eignet sich auch zum Backen und für die Zubereitung herzhafter Gerichte.

lebensmittelmagazin.de: Allerdings liest man hin und wieder, dass Hafer mit unerwünschten Stoffen belastet sein kann, zum Beispiel mit Nickel. Was ist davon zu halten – muss ich mir als Müsli-Lover Sorgen machen?

BZ: Keinesfalls. Diese Veröffentlichungen beziehen sich auf einen kürzlich erschienen Test. Dort wurden Nickelwerte, die in einer für die Haferpflanze vollkommen normalen Bandbreite liegen, zugrunde gelegt, um eine theoretische Gefahr für Nickelallergiker zu konstruieren. Mit anderen Worten: Alle getesteten Haferflocken waren einwandfrei. Außerdem berücksichtigte dieses Testvorhaben nicht, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit schon einen neuen Vorschlag für den TDI von Nickel in Höhe von 13 µg/kg Körpergewicht unterbreitet hat. Dieser beträgt mehr als das Vierfache des ursprünglich im Jahr 2015 festgelegten Wertes von 2,8 µg/kg Körpergewicht. Auch dies zeigt, dass die in den Veröffentlichungen geschürten Sorgen absolut unbegründet sind.

lebensmittelmagazin.de: Früher war bekanntlich alles besser. Zum Beispiel waren den Köllnflocken Sammelbildchen beigefügt. Peter Kölln unterhielt sogar eine eigene Sammelzentrale, um die zahlreichen Anfragen zu beantworten. Warum gibt es diese Sammelbilder nicht mehr und was sind heutige Methoden im Hafermarketing?

BZ: Mit der Entscheidung der Familie Kölln, die produzierten Haferflocken nicht mehr, wie andere Mühlen, als lose Sack-Ware zu verkaufen, sondern die besonders hohe Qualität der in Elmshorn produzieren Haferflocken in einer praktischen 500g-Haushaltspackung anzubieten begann die Erfolgsgeschichte der Kölln-Mühle. Diesen besonderen Haferflocken den Familiennamen zu geben, sie mit dem Begriff ‚Blütenzart‘ auszuloben, waren weitere Meilensteine in der Kölln-Geschichte. Dazu gehörten auch die Sammelbilder, die dann einem neuen Rabattgesetz zum Opfer fielen. Bis in den Anfang der 1990er war es möglich Sammelbilder und -alben mit sogenannte Bilderpunkten auf der Verpackung zu ersammeln. Heute sind es die klassischen und digitalen Medien, die die Botschaften der 200-jährigen Familienmarke zu den Verbrauchern tragen.

lebensmittelmagazin.de: Peter Kölln hat sich von einer kleinen, pferdebetriebenen Mühle zu einer der bekanntesten deutschen Marken entwickelt. Aber es gab immer wieder auch herbe Rückschläge und Katastrophen. Was ist die Quintessenz aus zwei Jahrhundert Hafergeschichte in Deutschland?

BZ: Wir von Peter Kölln leben nach dem Credo „Tradition und Innovation“. Wir versuchen, das, was uns ausmacht, unsere DNA, zu bewahren, indem wir an Werten wie Qualität, Verantwortung und Vielfalt festhalten. Gleichzeitig schaffen wir es, am Puls der Zeit zu bleiben und die Bedürfnisse der Kunden im Blick zu haben, ohne jeden Hype mitzugehen. So erkennen wir meistens frühzeitig, welche Produkte von unseren Kunden gewünscht werden und sind uns gleichzeitig unserer Verantwortung bewusst, den Kunden Qualität zu liefern.

Natürlich gab es auch in der Geschichte Peter Köllns Rückschläge, wie die großen Brände in der Vergangenheit, aber es gab wohl nie den Moment, in dem Aufgeben eine Option gewesen wäre. Ich denke, dass das auch eines der Erfolgsgeheimnisse des Unternehmens ist: Viele tolle, innovative Ansätze sind auch aus der Belegschaft heraus in das Unternehmen getragen worden. Unser Unternehmensstandort Elmshorn ist zum Beispiel im Sommer dieses Jahres mit dem ZNU-Standard als nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen zertifiziert worden. Dieses war nur deshalb so schnell möglich, weil bereits seit dem Jahr 2011 ein interdisziplinäres Team sich mit Themen rund um Nachhaltigkeit in unserem Unternehmen beschäftigt. In der Quintessenz bedeutet das, dass ein erfolgreiches Unternehmen nur Bestand haben kann, wenn das ganze Team mitzieht. Und dafür sagen wir speziell in unserem Jubiläumsjahr noch einmal von ganzem Herzen Danke an unsere Kollegen und Mitarbeiter.

lebensmittelmagazin.de: Frau Zonnev, auch wir danken: für das Gespräch.

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