Hülsenfrüchte

Tag der Hülsenfrüchte: Was ist das Besondere an Linsen, Erbsen und Co.?

Am heutigen Tag der Hülsenfrüchte wird weltweit auf die gesundheitlichen Eigenschaften und die Nachhaltigkeit von Hülsenfrüchten aufmerksam gemacht. Doch warum sind gerade Erbsen, Linsen oder Bohnen für die Ernährung so interessant?

Hülsenfrüchte werden immer beliebter. Lag der Verbrauch pro Bundesbürger:in im Jahr 2013 bei nur einem halben Kilo, sind es im Jahr 2017 ganze 1,3 Kilogramm. Um weiter über Hülsenfrüchte und ihre Bedeutung für die Ernährung, aber auch für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion zu informieren, gibt es den internationalen Tag der Hülsenfrüchte (World Pulses Day), der jährlich am 10. Februar stattfindet. Deutschlandweit bieten heute am Welttag der Hülsenfrüchte teilnehmende Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung beispielsweise Gerichte aus heimischen Hülsenfrüchten an.

Was zählt zu Hülsenfrüchten?

Zu den bekanntesten Vertretern der Kategorie Hülsenfrüchte gehören wohl Bohnen, Erbsen und Linsen, daneben auch Kichererbsen, Sojabohnen und Lupinen. Obwohl es viele nicht vermuten, gehören auch Erdnüsse zu den Hülsenfrüchten. Bei der Erdnuss handelt es sich um eine Hülsenfrucht, die sich entwicklungsgeschichtlich zur Nuss gewandelt hat und damit von ihren Nährwerten her eher Nüssen entspricht.

Verschiedene Hülsenfrüchte
Verschiedene Hülsenfrüchte.
Foto: peangdao – stock.adobe.com

Hülsenfrüchte und ihr Protein

„Kein anderes pflanzliches Lebensmittel enthält so viel Protein wie Hülsenfrüchte“, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). In getrocknetem Zustand betrage der Proteingehalt 20 bis 35 Prozent. Jedoch sind die meisten Hülsenfrüchte – abgesehen von der Erdnuss – nicht roh verzehrbar. Verzehrsfertig zubereitet liegt der Proteingehalt bei Bohnen, Erbsen und Linsen aber immer noch bei 5 bis 10 Prozent. Einen sehr hohen Eiweißgehalt von bis zu 40 Prozent haben Lupinenbohnen, also die Samen von Lupinen, genauer der Süßlupine, die in Deutschland heimisch ist und vor allem in Nordostdeutschland angebaut wird. Hülsenfrüchte sind außerdem reich an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

„Kein anderes pflanzliches Lebensmittel enthält so viel Protein wie Hülsenfrüchte.“

Bundeszentrum für Ernährung (BZfE)

Nudeln aus Linsen, Erbsen oder Kichererbsen

Vor allem wegen des hohen Proteingehalts bilden Hülsenfrüchte den Hauptbestandteil vieler Alternativprodukte für eine vegane oder besonders proteinreiche Ernährung. Für Menschen, die sich kohlenhydratreduziert (low carb) und proteinbetont ernähren wollen, gibt es beispielsweise Nudelalternativen aus Linsen (Rote-Linsen-Nudeln), Erbsen oder Kichererbsen. Diese stehen bislang jedoch nicht in Konkurrenz zur klassischen Nudel aus Weizen. Die Alternativprodukte bedienen Nischen im einstelligen Prozentbereich, so Alexander Jess vom Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft gegenüber dpa.

Rote-Linsen-Nudeln
Fusilli-Nudeln aus roten Linsen.
Foto: victoria p. – stock.adobe.com

Fleisch- und Milchalternativen: Nicht nur Soja

Pflanzliche Fleischalternativen wie vegane Würstchen, Bratlinge oder Burgerpattys bestehen oft aus Sojaprotein oder Erbsenprotein. Dass diese im Trend liegen, konnte man jüngst im Januar auf der Grünen Woche in Berlin sehen. Hier stellte Nestlé eine vegane Bratwurst der Marke Garden Gourmet vor, die hier sehr positives Feedback erhalten konnte. Tofu wird aus Soja gemacht. Tofuähnliche Produkte gibt es zum Beispiel aber auch aus Lupinen („Lopino“ ist so ein Produkt) oder Kichererbsen („Kofu“, ein Produkt eines Berliner Startups).

Vegane "Incredible Bratwurst"
Die vegane „Incredible Bratwurst“ von Garden Gourmet besteht aus Soja und weitern Zutaten.
Foto: Tobias Rücker / Lebensmittelverband Deutschland

Auch vielen Milch- und Joghurtalternativen liegen neben Getreide und Nüssen oft auch Hülsenfrüchte zugrunde. Bekannte und beliebte Beispiele sind Sojadrink oder Lupinendrink.

Erdnüsse sind Klassiker im Snacksegment. Geröstet und gewürzt machen sich aber auch Kichererbsen als leckere Snackalternative, wie sie zum Beispiel das Startup Hülsenreich aus Halle an der Saale auf der Grünen Woche 2019 präsentierte. Auch weitere Knabberwaren aus Hülsenfrüchten finden sich inzwischen im Chips-Regal, beispielsweise Linsen-Chips und Kichererbsen-Nachos. Zum Großteil aus Kichererbsen besteht auch ein passender Dip – die orientalische Spezialität Hummus, die sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut.

Snacks aus Hülsenfrüchten
Neue Snacks aus Hülsenfrüchten: Geröstete und gewürzte Kichererbsen vom Startup Hülsenreich. Foto: Tobias Rücker / Lebensmittelverband Deutschland

Gut für die Ernährung und das Klima?

Hülsenfrüchte sind nicht nur für eine gesunde und ausgewogene Ernährung interessant. Sie werden auch als wichtiger Baustein einer nachhaltigeren, klimafreundlicheren Lebensmittelproduktion diskutiert. Einer der Vorteile für die Landwirtschaft sei es, dass Hülsenfrüchte durch ihre Symbiose mit Knöllchenbakterien atmosphärischen Stickstoff aus der Luft anreichern, was die Bodenfruchtbarkeit fördert, so das BZfE. Und sie brauchen beim Anbau nur geringe Mengen an Stickstoffdüngung. Zudem haben Hülsenfrüchte in der Regel auch nur einen geringen bis mäßig hohen Wasserbedarf.

Wie viel Hülsenfrüchte soll ich pro Tag essen?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) möchte die Stellung von Hülsenfrüchten in der Ernährung der Deutschen stärken. Seit 1956 formuliert die Organisation ihre 10 Regeln für eine ausgewogene Ernährung. „Die Hülsenfrüchte sind aktuell noch in die Warengruppe Gemüse integriert. Das wollen wir in Kürze ändern, weil das nicht mehr zeitgemäß ist,“ so DGE-Vize-Präsident Prof. Bernhard Watzl laut BZfE im Oktober 2019 in einem Vortrag. Welche Empfehlung die DGE nach der Überarbeitung der Regeln für Hülsenfrüchte geben wird, wird sich zeigen.

Empfehlungen einer "Planetary Health Diet" der EAT-Lancet-Kommission
Empfehlungen einer „Planetary Health Diet“ der EAT-Lancet-Kommission.
Grafik: Statista (CC-BY-SA)

Einen ersten Anhaltspunkt gibt der Vorschlag einer Planetary Health Diet durch die EAT-Lancet-Kommission, die Eckpunkte für eine gesunde und klimaschonende Ernährung formuliert hat. Hier werden 75 Gramm Hülsenfrüchte pro Tag empfohlen. Das wären über 27 Kilogramm pro Jahr, also 20 Mal mehr als aktuell pro Kopf und Tag gegessen werden. Allerdings handelt es sich bei der Planetary Health Diet um eine Modellrechnung, die in Teilen in der Realität schwierig bis gar nicht umsetzbar ist. So empfiehlt sie zum Beispiel 13 Gramm Ei und 28 Gramm Fisch pro Tag. Das wäre ein Viertel Ei und ein Fischstäbchen. Bei den Hülsenfrüchten sieht das dann schon realistischer aus: 75 Gramm Hülsenfrüchte sind etwas mehr als eine Handvoll, also zum Beispiel eine Portion Erbsen oder Linsen.

Mit der steigenden Zahl an interessanten – und vor allem geschmackvollen – Alternativprodukten könnte die Beliebtheit von Hülsenfrüchten in Deutschland in den 2020ern weiter steigen.

Mit Informationen von: BZfE
Artikelbild (oben): Rawf8 – stock.adobe.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.