Hülsenreich

Tag der Hülsenfrüchte: Proteinreiches Trendfood von Eintopf bis Snack-Innovation

Am 10. Februar ist Tag der Hülsenfrüchte. Wir haben mit einem Startup gesprochen, dass sich voll auf die proteinreichen Samen fokussiert.

Es ist Tag der Hülsenfrüchte und Deutschland ist im Winterchaos, wetterbedingtes Homeoffice also. Auch beim Startup Hülsenreich ist Gründerin Emilie Wegner im Homeoffice eingeschneit: „Eine nahebei wohnende Kollegin konnte sich durchkämpfen.“ Seit August 2019 findet man ihre gerösteten Kichererbsen-Snacks in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels. „Wir verbinden Kichererbsen als gesunde Snackalternative mit einem frischeren Image für Hülsenfrüchte“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

Startup-Gründerin Emilie Wegner auf der Grünen Woche in Berlin.
Startup-Gründerin Emilie Wegner auf der Grünen Woche in Berlin.
Foto: Lebensmittelverband Deutschland / Tobias Rücker

Renaissance der Hülsenfrüchte

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hätte es bereits einen weit verbreiteten Leguminosen-Anbau, also von Bohnen, Erbsen, Linsen und Kichererbsen in Deutschland gegeben, der aber im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte wieder rückläufig war. Seit den 2010ern liegen sie wieder voll im Trend und werden intensiv beworben, den Internationalen Tag der Hülsenfrüchte (World Pulses Day) gibt es seit 2019.

Hülsenreich selber hat im vergangenen Jahr erfolgreich in Sachsen-Anhalt einen Ackerhektar mit Kichererbsen angepflanzt, dessen Ertrag man jetzt bei ihnen kaufen kann. „Die Bio-Kichererbsen für die Snackproduktion importieren wir aus Italien“, sagt Emilie Wegner. Im Zuge der wachsenden Diversifizierung beim heimischen Ackerbau werden munter Hülsenfrüchte aller Arten angebaut, inzwischen auch Soja und Lupine als Lebensmittel. „Südamerikanische schwarze Bohnen beispielsweise finden hier nicht das richtige Klima“, weiß die Hülsenfrucht-Expertin.

Gut für Mensch und Umwelt

„Als Zwischenfrucht sind Leguminosen äußerst sinnvoll in der Fruchtfolge, da an ihren Wurzeln Bakterien leben, die Stickstoff binden und so beim darauffolgenden Anbau auf Stickstoffdünger verzichtet werden kann. Das ist im Biolandbau gängige Methode und auch im konventionellen weit verbreitet.“ Davon abgesehen sind Hülsenfrüchte sowohl beim Wasserverbrauch wie auch in der CO2-Bilanz vorteilhaft und können so zu einer nachhaltigen Ernährung beitragen.

„Im Rahmen einer pflanzlichen Ernährung sind Hülsenfrüchte eine wichtige Eiweißquelle, vor allem Soja und Lupine, Kichererbsen auch. Grüne Erbsen enthalten wiederum mehr Kohlenhydrate. Aufgrund ihres Ballaststoffreichtums und ihrer Fettsäurezusammensetzung können sie gegenüber Fleisch gesundheitliche Vorteile bieten“, ist die Ökotrophologin überzeugt. Etwaige Bedenken bezüglich Phytoöstrogene, Pflanzenhormone, zerstreut Emilie Wegner, da diese in zu geringen Mengen enthalten seien.

Nicht so viel Wind machen

Schon der große Lyriker Heinz Erhardt wusste:

„Es gibt Gerüchte, dass Hülsenfrüchte – in Mengen genommen – nicht gut bekommen.
Das macht ja nichts, ich finde das fein, –
warum soll man nicht auch mal ein Blähboy sein.“

Die Frage der Bekömmlichkeit sei zwischen den Hülsenfrüchten sehr unterschiedlich und für den Menschen mehr oder weniger individuelle Herausforderung. „Wer von klein auf Hülsenfrüchte gewohnt ist, dürfte damit kein Problem haben. Wir lassen die getrockneten Kichererbsen 12 Stunden einweichen und wechseln zum Kochen das Wasser. Auch das Kochwasser wird weggeschüttet, dann sollten die meisten Blähstoffe entfernt sein.“

Linsen, die man vorher nicht einweichen muss, sondern direkt gart, sind per se bekömmlicher. Dass Salz Hülsenfrüchte hart bleiben lässt, sei übrigens ein Mythos. „Im Zweifelsfall kann man einfach eine Prise Natron mit ins Kochwasser geben, das sollte dem Abhilfe schaffen“, empfiehlt die Bohnenexpertin.

Rote Linsen
Rote Linsen.
Foto: Leinemeister – stock.adobe.com

Hauptsache, es schmeckt

Wer übrigens Linseneintopf, Bohnensalat und Co. bislang ablehnt – gerade ältere Menschen verbinden Hülsenfrüchte oft mit Arme-Leute-Essen und Nachkriegsküche – dem sollte man versuchen, Hülsenfrüchte in neuer Form darzureichen, beispielsweise als Brotaufstrich wie Hummus, rät die Hülsenreich-Gründerin – oder als knusprige Kichererbsen-Snacks à la Hülsenreich.

Darüber hinaus dienen die unterschiedlichen Hülsenfrüchte als Basis für pflanzliche Alternativen für tierische Produkte. Sojadrink ist da bereits der Klassiker der Milchalternativen, aber auch Erbsen und Lupinen kommen hier in Frage. Ähnliches gilt für Tofu. Der momentane Fleischersatzhype ist bezüglich Hülsenfrüchte schier unfassbar. Weniger bekannt, aber besonders interessant sind Hülsenfrüchte als Basis für Low-Carb-Produkte wie Brot und Pasta. Aber an so kalten Abenden wärmt nichts besser durch als ein Eintopf, gerade am Tag der Hülsenfrüchte.

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

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