Kürbis gibt es in vielen verschiedenen Sorten

Nicht nur zu Halloween: Herbstgemüse Kürbis

Zu Beginn der dunklen Jahreszeit verbreiten Menschen gerne Angst und Schrecken und alle haben Spaß dabei. Die Kürbislaterne gehört zum Deko-Repertoire jeder Halloweenparty. lebensmittelmagazin.de klopft Tradition und Herkunft des Kürbis-Brauchs ab.

Bereits einen Monat vor Halloween stimmt das Schöneberger Kürbisfest bei bleigrauem Himmel und buntem Laub in die herbstlich-kühle Stimmung ein. Der Duft frisch gekochter Kürbissuppe zieht durch die Luft. Auf den Stufen der Apostel-Paulus-Kirche haben die Bauern aus unzähligen Kürbissen einen Erntedankaltar gebaut. Viele der Kürbisse sind geschnitzt, mit Gesichtern, mit Ornamenten. 

Kürbisse in allen Farben, Formen und Bearbeitungen zeigt das Schöneberger Kürbisfest
Kürbisse in allen Farben, Formen und Bearbeitungen auf dem Schöneberger Kürbisfest.
Foto: Johannes / lebensmittelmagazin.de

Über die Grünfläche verteilt, stehen etliche Holzstiegen, randvoll mit unterschiedlichen Kürbissorten. Familien laufen dazwischen herum, die Kinder streiten sich, welcher der schönste Kürbis sei. Die Erziehungsberechtigten haben bisweilen die Arme voll. Inmitten des bunten Treibens steht Rita Wick am Verkaufsstand und nimmt die jeweilige Ausbeute in Augenschein. 

Kürbissorten: mannigfaltig und kunterbunt

Seit fünf Jahren wird das Kürbisfest vom Jakobs-Hof bei Beelitz in Brandenburg ausgerichtet. Normalerweise bauen sie Spargel an, aber für den Hofverkauf und das Kürbisfest haben sie Dreiviertel Hektar ihrer Felder für Kürbisse reserviert. Dieses Jahr war der Anbau wegen der Trockenheit schwierig, ungefähr ein Viertel der Ernte ist ausgefallen. „Die Bischofsmützen sind beispielsweise nichts geworden, Gott weiß warum“, konstatiert die Landwirtin.

Beim Umherschlendern beschreibt sie die einzelnen Kürbissorten: „Der mit Abstand beliebteste ist der Hokkaido, mit dem kann man quasi alles machen, zum Beispiel Suppe, Backwaren, aber auch Salat. Und er hat natürlich den unschätzbaren Vorteil, dass die Schale zum Mitessen ist, das gibt in der Suppe dann auch die schöne Farbe.“

Entkernen eines Hokkaido-Kürbisses
Zubereitung: Zuerst muss der Hokkaido-Kürbis entkernt werden.
Foto: karepa – stock.adobe.com

Ein paar Meter weiter bückt sie sich und hält ein paar kleine, gelb-orange leuchtende Minikürbisse hoch: „Das sind keine Zierkürbisse, sondern Mikrowellenkürbisse. Deckel kappen, Kerngehäuse raus und dann bei voller Stärke für fünf Minuten in die Mikrowelle. Anschließend füllen, zum Beispiel mit Schafskäse und das Ganze dann noch eine Minute backen, fertig!“

Kürbisvariation "Grauer Kronprinz" a
Kürbisvariation „Grauer Kronprinz“ auf dem Schöneberger Kürbisfest.
Foto: Johannes / lebensmittelmagazin.de

Von Hokkaido bis Muskatkürbis

Eine Kiste weiter liegen Kürbisse wie von einem anderen Planeten, silbergrau als ob mit dem Bleistift schraffiert, der „graue Kronprinz“. Grün wie eine Zucchini, dafür mit einem umwerfend aromatischen Fleisch ausgestattet, ist der Muskatkürbis. Als einziges Manko zu seinem Hokkaido-Kollegen muss man ihn schälen.

Muskatkürbis: Farbe wie eine Zucchini, die übrigens eine Unterart des Gartenkürbis ist
Muskatkürbis: Farbe wie eine Zucchini, die übrigens eine Unterart des Gartenkürbis ist.
Foto: Johannes / lebensmittelmagazin.de

Welche Sorte natürlich auch nicht fehlen darf ist der Butternusskürbis, der sich wachsender Beliebtheit erfreut. Rita Wick zückt ihr Küchenmesser und schneidet eine dünne Scheibe herunter. Kürbis roh essen? Warum nicht! Sie empfiehlt, ihn unter Salat zu mischen. Man könne ihn aber auch bestimmt salzen und fermentieren, Möglichkeiten über Möglichkeiten.

Kann man auch roh essen: Butternut-Kürbis
Kann man auch roh essen: Butternut-Kürbis.
Foto: Brent Hofacker – stock.adobe.com

Kürbis-Tradition aus Irland?

Halloween naht, die Horrorfilm-Quote im Fernsehen nimmt exponentiell zu. Ebenso die Präsenz von Skeletten, Fledermäusen, Untoten jeglicher Art und eben der fast unvermeidliche Halloween-Kürbis, der jetzt auf nahezu jeder Fensterbank, vor jeder Haustür – ob aus Plastik oder in echt – zu stehen scheint. Woher kommt diese Halloween-Kürbis-Tradition?

Halloween soll vorwiegend im katholischen Irland verbreitet gewesen sein, bevor es in die USA exportiert wurde. Madeleine Kinsella, Professorin für Anglistik an der Philipps-Universität Marburg, soll mit den Halloween-Kürbissen buchstäblich Licht ins Dunkel bringen: „Kürbislaternen können schon nichts mit altirischen Traditionen wie dem Samhain zu tun haben, weil der Kürbis erst irgendwann nach Kolumbus aus Amerika zu uns herübergekommen sein muss. Ich entsinne mich nicht, dass wir in meiner Jugend Kürbis zur Mahlzeit hatten“, erklärt die Irin verschmitzt. Eine wichtige Erkenntnis nebenbei: Samhain wird keinesfalls ausgesprochen, wie es geschrieben wird, es klingt eher wie Sa’un.

Kürbislaternen
Schaurig-schön: Stimmungsvolle Kürbislaternen zu Halloween.
Foto: Photographee.eu – stock.adobe.com

Keltische Riten am christlichen Feiertag

„Schon vor der Christianisierung durch die Römer im siebten Jahrhundert feierten die Kelten, wie auch viele andere nordische Völker Europas – denken Sie an das Luciafest in Schweden – nach der Ernte und vor dem Einbruch des strengen Winters die Zeit, wo die diesseitige-jenseitige Grenze aufgehoben ist und der Kontakt zu den Verstorbenen und Naturgeistern möglich ist. Die Römer christianisierten dies bei der Eroberung der britischen Inseln zum Gedenken an die Verstorbenen. Die alten Bräuche und Traditionen lebten aber weiterhin in Aberglauben und Riten fort. So gab es in weiten Teilen Irlands keine Hexenverfolgung, trotz katholischer Kirche.“

Halloween-Traditionen

Madeleine Kinsella erinnert sich an ihre Kindheit, man hört sie dabei schmunzeln: „Bei meiner Mutter gab es beispielsweise noch einen Maibusch, das Zuhause von Feen, der niemals ins Haus hätte gebracht werden dürfen. Das respektierten wir ganz selbstverständlich. Aber zu Halloween hatten wir ganz andere Traditionen, abgesehen von der Tatsache, dass wir gar keine Kürbisse kannten. Ich erinnere mich daran, dass man in der Nacht von Allerheiligen mit einer brennenden Kerze vor einem Spiegel im dunklen Raum seine Zukunft sehen konnte. Auch Bobbing Apples, das Apfelfischen mit dem Mund aus einer Wanne ohne Zuhilfenahme der Hände, gehört zu den Traditionen von Halloween. Und es gab Barmbrack, ein Rosinenbrot, in das ein Ring und eine Münze gebacken wurde. Der oder diejenige, die den Ring bekam, würde als nächstes heiraten, beim Münzfund gab es Reichtum. Bei allem war Magie mit im Spiel.“

Apfeltauchen
Halloween-Tradition in Irland und den USA: Apfeltauchen (Bobbing Apples).
Foto: Monkey Business – stock.adobe.com

Dementsprechend kann die Professorin für Anglistik dem quietschbunten Halloween-Hype nicht viel abgewinnen: „Die irischen Auswanderer mögen damals ihre Traditionen mit in die neue Welt gebracht haben. Was heute daraus gemacht wurde, ist für mich das Ergebnis, wenn Erwachsene Kinderspiele übernehmen, es ufert zum billigen Kommerz aus.“

Literarisches Denkmal des Halloweenkürbisses

Zur Ehrenrettung des Halloweenkürbisses soll aber die Legende vom schläfrigen Tal von Washington Irving aus dem Jahr 1820 erwähnt werden. Diese diente in den 1990ern als Vorlage für die Tim-Burton-Adaption mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Es geht um die Erlebnisse des Dorflehrers Ichabod Crane in einer holländischen Siedlung an der Ostküste der USA. Vor dem Hintergrund der Legende eines geisterhaften kopflosen Reiters wird der Lehrer in der Originalerzählung Opfer eines Schabernacks der Dorfjugend, die ihn als Reiter mit einem leuchtenden Kürbiskopf in die Flucht schlagen. Inspiration für Washington Irving soll übrigens eine Legende von Rübezahl aus dem deutsch-böhmischen Raum sein.

Gemälde "The Headless Horseman Pursuing Ichabod Crane"
Szene mit Kürbis: Ausschnitt aus dem Gemälde The Headless Horseman Pursuing Ichabod Crane (1858) von John Quidor.

Fruchtfleisch wird zur köstlichen Suppe

Beim Kürbisschnitzen fällt bekanntermaßen viel Fruchtfleisch an, dass man keineswegs wegwerfen muss, sondern im Idealfall eine köstliche Suppe davon kocht.

Hokkaido-Kürbissuppe
Kürbissuppe aus Hokkaido-Kürbissen.
Foto: karepa – stock.adobe.com

Das Rezept zur „besten“ Kürbissuppe bescherte der heute berühmten und erfolgreichen Köchin Martina Kömpel zu Beginn in Paris ihren Durchbruch einer Traumkarriere, hier ist es.

Rezept für die „beste“ Kürbissuppe

Zutaten:

  • Hokkaido-Kürbis, Kürbis 1–1,5 kg
  • 1 Zwiebel
  • 1 Kartoffel, mehligkochend
  • 100 Gramm Butter
  • 2 Karotten
  • 1,5 l Hühnerbrühe
  • 6 Fäden Safran
  • 100 g Sahne
  • 80 g geröstete Mandelblätter
  • 80 Gramm Creme fraiche
  • Kürbiskernöl
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle, weiß

Zubereitung

  1. Kürbis waschen, aufschneiden, entkernen und in kleine Stücke schneiden.
  2. Kartoffeln, Karotten und Zwiebeln schälen und in Stücke schneiden.
  3. Ein wenig heißes Wasser auf die Safranfäden gießen und zehn Minuten ziehen lassen.
  4. Butter im Topf schmelzen und Zwiebel drei bis fünf Minuten goldgelb anschwitzen lassen.
  5. Karotten und Kürbisstücke dazu geben und nochmal weiterschwitzen lassen.
  6. Kartoffelstücke und Safran hinzufügen und mit heißer Hühnerbrühe aufgießen, so dass alles gut bedeckt wird. Etwa 20 bis 25 Minuten köcheln lassen, dann mit dem Mixer pürieren, Sahne hinzufügen und noch mal kurz aufkochen lassen.
  7. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wem die Suppe zu püreeartig ist, fügt nach eigenem Geschmack einfach noch ein wenig Brühe oder Sahne hinzu.
  8. Mit den gerösteten Mandeln, einem Klecks Creme fraiche und dem Kürbiskernöl servieren.

Guten Appetit! Und: Happy Halloween!

Artikelbild (oben): Studio Barcelona

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