Pappe gegen Plastik – weniger Abfall im Gasthof zum Goldenen M

Lieferservice, Take-away oder Fast Food, diese schnellen Alternativen zum Restaurantbesuch oder heimischen Herd gehen oft einher mit Abfallbergen. McDonald’s, eine der Fast-Food-Ikonen schlechthin, setzt seit Mitte letzten Jahres Maßnahmen zur Abfallvermeidung um. Lebensmittelmagazin.de schaute mal auf einen Burger vorbei.

In Berlin-Tempelhof liegt eine der zehn McDonald’s-Testfilialen der „Better M“-Kampagne, mit dem auf Plakaten beworbenen Motto „Wir reden keinen Müll – wir machen einfach weniger!“. Im Rahmen einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsoffensive sucht der Fast-Food-Riese nach Maßnahmen zur Selbstoptimierung, unter anderem zur Abfallreduktion.

Die Stiele und Halterungen der Luftballons sind nicht mehr aus Kunststoff, sondern mittels Knick-, Falt- und Rolltechnik vollständig aus Karton.
Foto: McDonald’s

Besser ein kleines Etwas, als ein großes Nichts

Während der Drive-In bestens frequentiert wird, ist es im Restaurant zur Mittagszeit eher leer. In der Vitrine steht ein Kanon unterschiedlicher Kinderbücher, wo vormals quietschbuntes Plastikspielzeug Kinder zum Kauf eines Happy Meals quengeln ließ. Dahinter wartet ein Strauß bunter Luftballons auf die jüngsten Kundinnen und Kunden; fast hätte man es übersehen, aber Stiele und Halterungen der Ballons sind nicht mehr aus Kunststoff, sondern mittels Knick-, Falt- und Rolltechnik vollständig aus Karton. Da kein Andrang herrscht, besteht die Möglichkeit, den Servicemitarbeiter über das nachhaltig verpackte Angebot zu befragen. Sowohl die beiden Signature-Burger, als auch der Veggie-Burger werden gegenwärtig in Graspapier gewickelt. Der Duft der weiten Prärie oder frisch gemäht bleibt entgegen der Werbung aus, es riecht schlicht neutral. Das Graspapier soll durch neuartige Prozesse große Mengen an Energie, Wasser und CO2 in der Produktion einsparen. Außerdem käme bei der Herstellung dieses Faserstoffes keine Chemie zum Einsatz. Das von McDonald´s eingesetzte Graspapier enthält einen Grasanteil von 20 Prozent, ist FSC-lizensiert (Forest Stewartship Council) und benötige keine langen Transportwege. Darüber hinaus entspräche dies im Vergleich zum konventionellen Pappkarton einer Materialersparnis von 70 Prozent.

Gegenwärtig werden drei Burger in Graspapier gewickelt – die beiden Signature-Burger und der Veggie-Burger.
Foto: McDonald’s

Die Aktion der Mehrwegbecher sei seit Jahresende ausgelaufen, bzw. seien noch keine neuen Mehrwegbecher nachgekommen. Die Aktion sei sehr gut angekommen, besonders bei den Stammgästen, die sich ihre Becher immer wieder neu auffüllen ließen. Zurück seien sie allerdings kaum gebracht worden. „Da muss man einfach sagen, überall wo McDonald’s drauf steht ist Kult und wird gehamstert“, meint der Mitarbeiter. Also wird das Getränk im Pappbecher serviert, dafür gibt es den Papierstrohhalm statt Plastik, der erfreulicherweise auch nicht durchweicht.

Ebenfalls im Pappbecher mit Holzlöffel, ohne Plastikdeckel wird als Dessert der McFlurry, jenes klassische besonders cremige Softeis mit der besonders köstlichen Karamellsoße, serviert. Der Holzlöffel hat laut McDonald’s noch Optimierungspotenzial, sei aber der nächste Schritt in die richtige Richtung.

Kunststoffrecycling besser als sein Ruf?

Übrigens, zum vermeintlichen Vorteil von Papier gegen Plastik gibt die Verpackungsexpertin des Lebensmittelverbands Deutschland, Dr. Sieglinde Stähle, zu Bedenken: „Die Formel ‘Pappe besser als Plastik‘ gilt dann nicht, wenn Kunststoff recycelt wird. Kunststoffrecycling ist mit einem höheren Wirkungsgrad möglich als Papierrecycling, setzt aber Infrastruktur für Sammlung, Trennung und Recyclinganlagen voraus. Wir haben derzeit keine zugelassenen Anlagen für Recycling von Lebensmittelkunststoffen, das ist ja eine Sonderkategorie der Kunststoffe, die höchsten gesundheitlichen Anforderungen genügen muss. Die fehlende Verfügbarkeit ist ein großes Problem.“

Müllreduktion, ein Dilemma

Im McDonald’s-Podcast „Zum Hierhören oder Mitnehmen“ beschreibt Professor Horst-Christian Langowski vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung das Dilemma zwischen Lebensmittelverlust versus Verpackung. Denn einerseits bedeute mehr Verpackung weniger Produktverlust, andererseits wünschen die Verbraucher:innen aber weniger Verpackung. So könne man sich einem Optimum nur annähern. Maßnahmen wie Verdünnung der Folie erschweren das Recycling, weil dadurch der Anteil der Masse an Produktresten steigt. Bei Mehrwegverpackungen muss aus Effizienzgründen darauf geschaut werden, wie oft die Verpackungen dann im Umlauf sei. Bei kompostierbaren Verpackungen sieht Langowski den Materialverlust sowie den Ausstoß von CO2 bzw. Methan als Problem an. Eine recyclingfähige Verpackung erfordere laut des Experten eine dementsprechende Recycling-Infrastruktur, sowie das gegenwärtig bei PET zum Beispiel erfolgreich umgesetzt werde. Die Alternative Pfand bedeute wiederum höhere Logistik zu Lasten des Handels. Unter dem Aspekt der Regionalität sind diese Mehrwegsysteme für den Professor eine interessante und umweltfreundliche Option für die Zukunft.

Ganz schick – die neuen Mehrwegpfandbecher von McDonald’s für Getränke und Eis.
Foto: McDonald’s

Lösung – nicht auf dem Teller

Diana Wicht, Department Head Sustainability bei McDonald’s, erläutert das Abfallreduktionskonzept in Bezug auf McDonald’s: Dabei stellt sie heraus, dass die beschichteten Papierbecher, so wie sie landläufig für Coffee-to-go unter anderem eingesetzt werden, im normalen Papierkreislauf stören, da sich die Beschichtung erst später von der Pappe ablöst. McDonald’s sammelt diese Becher, um für diese größeren Kapazitäten einen gesonderten Recyclingkreislauf zu schaffen, der sich dann auch lohnt. Was sie aus hygienischen Gründen ausschließt, ist individuelle Tupperware als Verpackungsalternative, aber den Kaffee könne man sich längst im eigenen Becher befüllen lassen. Die Nachhaltigkeits-Expertin bilanziert: „Alle finden es toll, aber keiner nutzt es.“ An dieser Stelle verweist sie auch auf die Kooperation mit Recup, den omnipräsenten Mehrwegkaffeebechern, die sich allerdings bei Vielen auch Zuhause oder im Auto stapeln. Da das Abfallproblem der Systemgastronomie offensichtlich sei, bestehe laut Wicht Handlungsbedarf. Andererseits seien die Infrastrukturen der Küchen in bundesweit über 1.460 McDonald’s Restaurants nicht auf Spülmaschinen und Platz für Geschirr ausgelegt, sodass naheliegende Maßnahmen, wie der Burger auf dem Porzellanteller, vorerst schwierig umzusetzen seien. Sie schließt mit der aktuellen Beobachtung: „Corona bringt neue Hygieneaspekte mit sich. Der Anteil von McDrive und Delivery hat sich erhöht, mit der Folge, dass noch mehr Verpackung benötigt wird.“ Das Ziel von McDonald’s in Bezug auf Abfall sieht nachhaltige Ressourcen mit passenden Recyclingstrukturen vor. Bis 2025 sollen weltweit in allen McDonald’s Restaurants 100 Prozent aller Verkaufsverpackungen aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Materialien hergestellt werden.

Artikel-Teaserbild (oben): Johannes S. – Lebensmittelmagazin.de

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

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