Hefezopf zu Ostern mit bunten Eiern

Osterlamm und Co. – internationale Spezialitäten rund um Ostern

Ostern, das Fest der Auferstehung, ist der höchste christliche Feiertag im Jahr. Weltweit feiern Christen jeder Konfession dieses Fest. Zu den Traditionen und Gebräuchen gehören nicht nur Ostereier, sondern auch vielfältige Gebäcke und Speisen.

Rund ums Ei

Egal ob hartgekocht oder aus Schokolade und Fondant, die Ostereiersuche beschäftigt jährlich Kinder in vielen Teilen der Welt. Dabei, so erzählt man den Kindern, werden diese vornehmlich vom Osterhasen gebracht. Nicht so in Frankreich: Hier glauben die Kinder, dass Kirchenglocken die Eier aus Rom einfliegen und beim Läuten in der Osternacht verteilen.

Zöpfe und Kränze

Neben bunten Eiern findet man in Deutschland bei vielen Osterbrunchs oder zum Nachmittagskaffee Gebackenes, kunstvoll geflochtene Hefezöpfe oder Hefekränze als Ostereiernester, je nach Präferenz wird der Teig mit Rosinen gefüllt oder mit Hagelzucker und Mandelblättchen bestreut. In Großbritannien werden traditionell Hot Cross Buns an Karfreitag gebacken. Bun ist das englische Wort für Milchbrötchen. Die Tradition dürfte älter sein, aber das erste Mal erwähnt wurde es 1733 im Almanach des armen Robins, einem britischen Satiremagazin. Eine englische Freundin, Sarah B., beschreibt Hot Cross Buns: „Es handelt sich um süße Hefebrötchen mit Gewürzen wie Muskatnuss, Nelken und Zimt aromatisiert und mit Rosinen verfeinert. Vor dem Backen wird ein Kreuz in die Oberfläche der Brötchen eingeritzt, als Symbol für das Ende der Fastenzeit, auf Englisch ‚Lent‘. Gebacken werden sie am Karfreitag, wenn Jesus Christus gekreuzigt wurde. Alternativ kann das Kreuz auf den Brötchen auch mit zusätzlichem Teig, oder mit einer Puderzucker-Glasur, kreuzförmig belegt, bzw. aufgetragen werden. An Ostern, nachmittags zum Tee, versammelt sich dann die gesamte Familie und genießt die Hot Cross Buns mit Butter und Marmelade.“

englische Hot Cross Buns
Karfreitag werden in Großbritannien traditionell Hot Cross Buns gebacken.
Foto: Sarah B. – Lebensmittelmagazin.de

Orthodoxes zu Ostern

Auch die orthodoxen Christen kennen derartige Osterbrote. Tsoureki ist ein Hefeteig, der mit Mastix, einem aromatischen Harz, sowie Mahlab, der Weichselkirsche und Piment gewürzt wird. Ein blutrotgefärbtes Ei, stellvertretend für das Blut Christi, Symbol des Frühlings und der Wiederauferstehung, wird mit eingebacken. Auf Rhodos werden mit ähnlichem Teig kunstvolle Figuren gelegt und mit farbigen Eiern dekoriert, sogenannte Avgoules. Auf der Nachbarinsel Zypern, backen sie eine herzhafte Variante: Flaounes – Brote, die mit Käse gefüllt sind. Sie werden am Karfreitag zubereitet. Der Käse für die Füllung wird Pafitiko genannt und aus Schafs- und/oder Ziegenmilch nur zu Ostern hergestellt. Die Kinder nehmen sie am Karsamstag mit in die Mitternachtsmesse. Sobald die Kirchenglocken Ostern einläuten, dürfen sie verspeist werden.

Von Lämmern und Tauben

Eines der ältesten Symbole für die Auferstehung Jesu Christi ist das Lamm, das Agnus Dei (lat. für Lamm Gottes), oft mit Siegesfahne dekoriert. Auch dieses steht auf vielen österlichen Kaffeetafeln, meistens aus der Hohlform mit Rührteig und Zuckerguss. Die Italiener bieten dazu eine interessante Alternative, die „Colomba Pasquale„, eine Friedenstaube aus Hefeteig, mit Mandeln und kandierten Früchten. Eine schöne Legende dazu ist: Die Taube stamme aus langobardischer Zeit. Der Langobardenkönig Alboino bekam bei der Belagerung von Pavia eine taubenförmige Pfanne als Zeichen des Friedens überreicht. Die tatsächliche Erklärung ist allerdings viel banaler: Die Colomba wurde von der gleichen Firma erfunden, die den Panettone in Mailand produzieren. Sie brauchten schlicht eine Form für ihre Idee des Ostergebäcks und wählten die Taube, da die als Symbol der Versöhnung und des Christentums gilt. Die Zubereitung ist sehr zeitaufwendig. Der Teig geht über Nacht und steht dabei kühl, bevor er mit Orangeat und Co. angereichert, jetzt in der Taubenform nochmals in der Wärme gehen darf.

gebackenes Osterlamm
Das Osterlamm steht hierzulande tradionell auf vielen österlichen Kaffeetafeln.
Foto: Johannes S. – Lebensmittelmagazin.de

Es ist noch Suppe da

Zuviel Gebackenes? In vielen Ländern gibt es die Tradition einer Ostersuppe. Auch in Deutschland ist eine Rezeptur aus dem 16. Jahrhundert überliefert, bestehend aus Eiern, Milch und Bier, die mit Sirup, Zucker oder Zimt gesüßt wurde. Manche Traditionen sind es nicht wert zu überleben … In anderen Ländern schaut es da anders aus: In Italien genießt man „Brodo Pasquale„. Rindsbouillon mit Eigelb legiert und mit Parmesan und Zitrone verfeinert. Ursprünglich nahm man hierfür Fond vom Lamm und servierte dazu das Fleisch mit Brot. Auch im katholischen Polen kocht man zu Ostern Suppe, Zurek. Eine Freundin, Marta W., aus Stettin isst sie bei ihrer Großmutter. Sie erzählt: „Drei Tage lang wird Roggenschrot fermentiert und zusammen mit Brühe gekocht. Danach wird diese Suppe über Wurst, entweder weiße oder Krakauer, Ei und körnigen Quark gegossen. Den fermentierten Roggenschrot bekommt man schon fertig aus der Flasche.“ Im Namen Zurek steckt „Zur“, was sauer bedeutet. „Die Suppe schmeckt sauer und würzig und auch ein bisschen mehlig, weil meine Oma in jeder Suppe Mehlschwitze verwendet. In Restaurants kriegt man sie oft im Brot serviert. Was immer für Begeisterung sorgt, weil dann das Brot ein bisschen Suppe eingesaugt hat und in dieser Form einfach nur köstlich schmeckt.“ Die Suppe sei so aufwendig, dass sie eigentlich nur zu Ostern gemacht wird. Auf der anderen Seite sei sie so populär, dass sie heutzutage als Instant-Variante aus der Tüte überall im Land und auch in den osteuropäischen Nachbarstaaten erhältlich sei.

Noch’n Ei

Noch mal zurück zu den Eiern. Im Mittelalter fielen Eier in der Fastenzeit ähnlich wie Fleisch unter die strengen Verzichtsregeln. Im Laufe der vierzig Tage sammelten sich also die Eier an. Aus Mangel an Kühlungsmöglichkeiten, wurden die Eier hartgekocht und rot eingefärbt, um sie haltbar zu machen und von frischen unterscheiden zu können. Die Eier der Karwoche wurden außerdem gesegnet bevor sie verschenkt und zu Ostern verzehrt wurden. Eier waren übrigens für die Bauern im Mittelalter nicht nur Nahrung, sondern auch Zahlungsmittel. Anstelle des Mietzins für ihren Hof, brachten sie ihrem Lehnsherren Eier vorbei. Stichtag der „Zinseier“ war kurz vor Ostern, weil ja durch die lange Fastenzeit ein Überschuss an Eiern vorhanden war.

Artikel-Teaserbild (oben): myviewpoint – stock.adobe.com

About Johannes

Johannes schreibt seit 2019 als Reporter für lebensmittelmagazin.de. Seine Themenschwerpunkte sind Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Gastronomie und hier besonders Nachhaltigkeit und Trends. Zudem ist er für die Berichte vor Ort zuständig.

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